1.8.2018

Heute bin ich einfach nur erschöpft. Viel gearbeitet, abends beim Sport, und doch könnte ich noch ewig weitermachen heute, so viel habe ich auf dem Tisch. Aber ich lasse es gut sein, gehe früh ins Bett und starte morgen neu.

2.8.2018

Der perfekte Start in den Tag. Ich stehe um 6 Uhr auf, dusche, mache Kaffee und fange an zu schreiben. Kein Internet, kein Social Media, keine Mails. Ich schreibe einfach los, ohne darauf zu achten, ob es gut wird. Das kommt später. Drei Stunden später: 700 Wörter am Roman geschrieben, einen Newsletter geschrieben und veröffentlicht, an meiner Website gebastelt. Was soll heute noch passieren?

3.8.2018

S., mit dem ich mir die Wohnung in Porto teile, und ein befreundetes Pärchen von ihm kommen morgens um acht vom Feiern nach Hause und fallen ins Bett. Ich sitze am Schreibtisch. Ich könnte neidisch sein, dass ich die Party verpasst habe. Doch dann denke ich an den trockenen Mund, verkackten Magen, Kopfschmerzen, schlechten Schlaf und einen verlorenen Tag und bin froh, dass ich nicht dabei war.

4.8.2018

Eine fette Steuernachzahlung kommt auf mich zu. Nicht, dass ich das nicht gewusst hätte, aber meine Stimmung ist trotzdem am Boden. Ich habe immer wieder das Gefühl, dass ich finanziell auf keinen grünen Zweig komme. Was aber auch daran liegt, dass ich immer leicht über meine Verhältnissen lebe. Die aktuelle Situation kommt daher, dass ich in den letzten Jahren nichts für die Steuern zurückgelegt habe, die jetzt geballt auf mich zukommen. Niemand verantwortlich außer mir. Also mache ich jetzt einen Plan, wie ich da langfristig rauskomme. Kann doch echt nicht sein.

5.8.2018

Immer noch habe ich die Steuernachzahlung im Kopf. Zieht mich runter. Doch dann setze ich mich hin und plane, wie ich mehr einnehmen und weniger ausgeben kann. Ideen für neue Geschäfte, radikales Sparen. Ich könnte in einem Bus leben oder in eine billigere Wohnung ziehen, die Krankenkasse wechseln, günstiger Sport machen, nicht mehr auswärts Kaffee trinken. Klingt furchtbar, aber ich habe richtig Bock darauf, meine Finanzen endlich klar zu bekommen. So, wie ich mich um meine körperliche Gesundheit und meine Produktivität kümmere, sind jetzt die Finanzen dran.

6.8.2018

Nach vier Tagen mit mörderischen Temperaturen in Porto (bis über 40 Grad in der Innenstadt) hat es heute wieder auf angenehme 22 Grad abgekühlt. In den letzten Tagen hatte ich mir nur gewünscht, dass es wieder kühler würde. Heute ist es kühler, aber mir fallen doch noch Dinge ein, die ich gerne zusätzlich hätte. Es ist genau so, wie wenn ich krank bin: Dann wünsche ich mir nur, dass ich wieder gesund bin, und alles wäre perfekt. Sobald ich dann wieder gesund bin, habe ich das aber vergessen und mir fehlen andere Dinge. Witzig.

7.8.2018

Ich habe insgesamt ein Jahr meines Lebens in Thailand verbracht. Nie einen Kochkurs besucht. Fünf Wochen in Porto und ich lerne, wie man Pastel de Nata backt. Es ist gut, seine Prioritäten klar zu haben.

8.8.2018

Zweiten Bericht zur Lage des Romans verschickt. Es hilft, alle zwei Wochen Bericht erstatten zu “müssen”. Einmal dabei, wirklich voranzukommen, und darüber hinaus dabei, meine Arbeit zu reflektieren. Und es macht sogar Spaß, weil ich meinen eigenen Fortschritt beobachten kann. Und gegenüber einer Newsletter-Liste kann ich auch einfach offen reden 🙂

9.8.2018

Gespräch mit M. über unsere „first world problems“. DHL-Mann kommt nicht, obwohl man zu Hause ist. Es ist zu warm, zu kalt, zu nass, zu trocken. Wir haben heute keine Lust zu arbeiten. Gleichzeitig sind andere todkrank oder ersaufen im Mittelmeer. Wir sind uns einig, dass wir eigentlich 24 Stunden non-stop über unser Glück frohlocken müssten.

10.8.2018

Glücklich und ausgepowert in der Metro zum Essen mit Freunden. Mit Crossfit anzufangen, war eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Mein 25jähriges Ich würde sich diesen 40jährigen voller Respekt angucken und wissen, dass es nicht annähernd so fit ist wie dieser Typ. Und der junge Patrick würde denken, dass das einfach nicht sein Ding wäre. Wovon denke ich heute, dass es nicht mein Ding wäre, worauf ich in fünfzehn Jahren lächelnd zurückblicken werde? Nichts ist für immer.

11.8.2018

Ein ganzer Tag am Strand, mit viel Sonne, Eis, Meer und Sand. Ich könnte mich daran gewöhnen, am Strand zu leben. Bin in letzter Zeit auch begeistert von der Idee, in einem Van zu leben. Da könnte man immer am Strand sein.

12.8.2018

Interview für Bettinas Podcast zum Thema Wandel. Ich glaube, ein Hauptgrund dafür, warum so viele Menschen in den westlichen Ländern Angst vor Wandel haben, ist der hohe Lebensstandard. Wenn ich reich bin (und das sind wir im Verhältnis zum Rest der Welt), dann bedeutet Wandel vermutlich, dass mein Standard sinkt. Im Gegenzug wird ein Mensch in einem armen Land Wandel begrüßen, da er vermutlich einen Wandel zum Besseren bedeuten wird.

13.8.2018

Wo ist meine Energie hin? Könnte den ganzen Tag schlafen, niemanden sehen, alle Aufträge ablehnen. Zu viel gearbeitet, zu viel Zucker? Ich habe keine Ahnung. Jetzt zum Sport, das hilft immer. Danach sieht die Welt anders aus.

PS: Sie sah danach anders aus.

14.8.2018

Die letzten zwei Wochen in Porto brechen an. Wie immer freue ich mich auf Berlin, und wie immer wundere ich mich, dass die Zeit schon wieder vorbei sein soll. Porto ist wunderbar, die Stadt gefällt mir gut, die Menschen sind freundlich und das Leben hat hier eine Leichtigkeit, die ich in Berlin nicht sehe. Ein weiterer Ort auf dieser Welt, an den ich gerne zurückkehren werde.

15.8.2018

In Portos Innenstadt hängen Poster, die Touristen darauf hinweisen, dass ihr lovely Airbnb-Appartment dafür sorgt, dass sich die Einheimischen keine Wohnungen mehr in der Innenstadt leisten können. Der Mindestlohn liegt hier bei 580 Euro im Monat. Zu Hause finden wir Gentrifizierung immer doof, auf Reisen finden wir alles geil billig. Auf diesen Widerspruch brauchen wir Vielreisenden bessere Antworten, als es einfach schnell wieder zu vergessen.