16.9.2018

Ich mag es, vor einem Flug noch etwas länger auf dem Flughafen abzuhängen. Ich fahre meist extra früh los. Die Zeit vor dem Flug ist freie Zeit. Ich bin ja unterwegs. Ich bin innerlich nicht erreichbar. In der Transitzone hinter der Sicherheitskontrolle ist man eigentlich nirgendwo. Ich bin nicht mehr hier, aber noch nicht dort. Ich bin unsichtbar.

17.9.2018

Ein frischer Start nach meinem Kurzurlaub in Minsk. Neue Ziele für die Woche gesetzt und vor allem wieder um sechs aufgestanden und mein Schreibpensum geschafft. Ich habe in meinem letzten Bericht über mein Buch Monatsziele gesetzt, wie viel ich geschrieben haben werde. Diese werde ich jetzt jede Woche auf Wochenziele aufteilen, damit es vorangeht. Es liegt viel Arbeit vor mir und ich fühle mich wieder frisch. Ab geht’s.

18.9.2018

Ich habe in den letzten zwei Jahren aus wenigen Büchern mehr gelernt als aus denen von Yuval Noah Harari. In “Eine kurze Geschichte der Menschheit” erklärt er die Geschichte der Menschheit. Wo wir herkommen und wie wir wurden, was wir heute sind. In “Homo Deus” gibt er einen aus meinen Augen ziemlich bedrückenden Ausblick auf die Zukunft und was die rasanten Entwicklungen in Bio- und Informationstechnologie für die Menschheit bedeuten werden. In seinem neuen Buch “21 Lektionen für das 21. Jahrhundert” schreibt er über die Gegenwart und die Aufgaben, die in den nächsten Jahren auf die Menschheit zukommen. Alle drei Bücher lesen sich leicht, verständlich und spannend und bringen komplexe Themen wie Religion, Geld, Künstliche Intelligenz auf den Punkt. Jeder, der sich für die Entwicklung und Zukunft der Menschheit interessiert, sollte diese Bücher lesen.

19.9.2018

Eigentlich hätte ich heute etwas anderes zu schreiben. Etwas, das mich mehr bewegt. Aber ich bleibe dieses Mal in der Komfortzone und behalte meine Gedanken für mich.

20.9.2018

Wenn in Krimis irgendwelche inkompetenten Idioten befördert werden, wenn Politiker ohne Hemmungen nur auf den Machterhalt aus sind und das alles wie eine riesige Farce wirkt, finde ich das oft überzogen dargestellt. Wenn es hingegen in der Zeitung steht, ist es wirklich passiert. Dann ist es einfach nur die verrückte Realität. Dazu passt dieser Cartoon ganz gut.

21.9.2018

In der „Quelle“ sind einfach alle so, wie sie sind. Hier gibt keiner vor, cool zu sein. Hier sind die Leute so breit, zumindest wenn ich hinkomme, dass keiner mehr irgend etwas vormacht. Es liegt eine Mischung aus wirklich echter, herzlicher Freundlichkeit und gleichzeitig latenter Gewalt in der Luft. Hier sind einige dabei, die sich gerne kloppen würden.

22.9.2018

Ich stehe zum ersten Mal in meinem Leben in einer Fankurve. Hertha BSC Berlin gegen Borussia Mönchengladbach, Auswärtsblock. Wir haken uns unter und hüpfen. Macht Spaß, ist aber ganz schön anstrengend. Ich bin kein großer Fan, aber freue mich als Berliner, wenn Hertha gut spielt. Und das tun sie heute. Hertha gewinnt 4:2 und ich beiße mir bei jedem Tor auf die Lippe.

23.9.2018

Der erste richtige Herbsttag in Berlin. Es regnet ununterbrochen. Wir fahren ins Bata, kickern, spielen Billard, reden dummes Zeug. Ich bin dankbar, coole Freunde und nen coolen Laden zu haben. Der perfekte Ort für verregnete Sonntage.

24.9.2018

Vor knapp fünf Jahren fing es an, dass ich nachts aufwachte und nicht mehr schlafen konnte, weil zu viele Gedanken durch meinen Kopf gingen. Ich wälzte mich stundenlang hin- und her, bis ich doch wieder einschlief und ein, zwei Stunden später vom Wecker aus dem Tiefschlaf gerissen wurde. Nach einigen Monaten wurde es wieder besser, doch ich schlafe seitdem kaum mehr eine Nacht richtig durch. Mittlerweile habe ich Strategien entwickelt, was ich dann mache. Meist lese ich eine Weile. Das macht mich wieder müde und lenkt meinen Kopf ab. An anderen Tagen stehe ich einfach auf, so wie heute. Als wollte mein Körper mich daran erinnern, dass ich eine Aufgabe zu erledigen habe.

25.9.2018

Ich muss noch mal erwähnen, wie krass meine Stimmung von körpereigenen Stoffen abhängt und damit davon, was ich gerade mache. Wenn ich müde bin, vollgefressen oder einen Kater habe, bin ich düsterer Stimmung, sehe kein Land in Sicht und habe keinen Bock auf irgendwas. Nach dem Sport hingegen kommen mir die geilsten Ideen, schmiede ich Pläne und die Zukunft sieht sonnig aus. Note to self: weniger machen, was mich nervt, mehr machen, was mich beglückt.

26.9.2018

Ich lese das Buch “This year you will write your novel” von Walter Mosley und bin motiviert. Knapper kann man die Dinge, wie man seinen ersten Roman schreibt, nicht auf den Punkt bringen. Ich bin genau die Zielgruppe: normaler Mensch, der innerhalb eines Jahres sein erstes Buch schreiben will. Es wirkt schon: Gestern und heute habe ich mein Pensum von 750 Wörtern locker geschafft.

27.9.2018

Ich sitze im Neonlicht vor meinem Selfstorage-Abteil und sortiere die CDs meines Vaters. Viele der CDs sind in Doppel-CD-Hüllen verpackt. Um Platz für seine vielen CDs zu sparen, hat mein Vater in mühevoller Kleinarbeit jeweils zwei einzelne CDs eines Künstlers in diese Doppelhüllen gepackt, die Cover zerschnitten und wieder zusammengeklebt. Eine mühevolle, nachträglich betrachtet sinnlose Arbeit, die jetzt auch noch dafür sorgt, dass ich diese CDs nicht verkaufen kann. Damals hat es für meinen Vater sicher großen Sinn gemacht. Ich kann mich sogar erinnern, wie er mir davon erzählt hat. Und jetzt sitze ich hier und trenne die zerlegen CDs von denen im Originalzustand, scanne jede einzelne mit der Discogs-App. Das kommt mir genauso sinnlos vor, aber verschafft mir genauso viel Befriedigung wie das Basteln meinem Vater Befriedigung verschafft haben wird. Ich fühle mich ihm gerade sehr verbunden.

28.9.2018

Wenn ich mal einen Physiker treffe, werde ich ihn fragen, warum mein Bettbezug in der Waschmaschine immer alle anderen Kleidungsstücke frisst.

29.9.2018

Morgens im Café bei mir an der Ecke. Ein Mann mit zwei Plastiktüten kommt herein, leicht verwahrlost, aber nüchtern. Er spricht englisch, erzählt etwas von “very good news”, Kreaturen, die mehrere menschliche Formen annehmen können, Verschwörung. Der Barista sei einer von ihnen und dessen Schweigen der Beweis. Nach zwei Minuten geht er. So hat sich Berlin verändert: Sogar internationale Brabbler haben wir mittlerweile.

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Die euphemistische Version von "irgendwann".

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30.9.2018

Nach dem Treffen des Citizen Circle in Hamburg fahre ich mitten in der Nacht mit dem Flixbus nach Berlin. Ich hatte ja gedacht, dass um die Uhrzeit alle besoffen sind und singen. Aber nix da. Total ruhig hier. Ich schlafe die Fahrt über durch und komme bei leuchtend rotem Sonnenaufgang in Berlin an.