1.10.2018

Ich quäle mich Wort für Wort durch mein Tagessoll von 750 Wörtern. Nichts ist heute leicht, alles klingt doof. Ich bin mir sicher, dass nichts von heute im fertigen Buch stehen wird. Und trotzdem fühle ich mich besser, als wenn ich in der Zeit etwas anderes gemacht hätte, mit der Ausrede, dass ich mich heute nicht nach Schreiben fühle. Wie schon Olli Kahn sagte: “Weiter, weiter, immer weiter.”

2.10.2018

An meinem Rechner hängt eine handschriftliche Notiz: “Du hast nichts zu verlieren.” Sie soll mich daran erinnern, mehr Risiken einzugehen, meinen Instinkten zu folgen, mutig zu sein. Dann fällt mir ein Beispiel ein, wo mir das oft gelingt und ich vor allem sehe, dass es belohnt wird: am Billardtisch. Dort muss man jeden Stoß zuversichtlich und mit 100% angehen, ohne Angst und ohne zu zögern. Und gleichzeitig schon vorab in Kauf nehmen, dass es ab und zu schiefgehen wird. Das gehört zum Spiel dazu. Doch wenn ich ängstlich spiele, geht mehr daneben, als wenn ich es zuversichtlich und mutig tue.

3.10.2018

Heute ist der 3. Oktober, der Tag der deutschen Einheit Dieser Tag spielt in meinem Thriller eine entscheidende Rolle. Wie es der Zufall will, komme ich am Hauptbahnhof an der Demo von “Wir für Deutschland” vorbei. Es wehen viele Deutschlandflaggen und auch einige mit Aufdrucken wie “Gegen Islamisierung” und “Refugees not welcome”. Dazu spielt der Demo-DJ den 80er-Jahre-Hit “Berlin, Berlin” mit der Liedzeile “dein Herz kennt keine Mauern”. Die meisten der Mitläufer müssen sich vermutlich nicht mal Mühe geben, den Widerspruch darin zu übersehen.

4.10.2018

Aus gegebenem Anlass hier nochmal mein aktuelles Lieblingszitat übers Schreiben von William Faulkner (Übersetzung: Icke): “Ich schreibe nur, wenn mich die Muse küsst. Glücklicherweise tut sie das jeden Morgen um neun Uhr.” Heute morgen hatte ich wieder überhaupt keinen Bock zu schreiben und auch keine Ideen. Habe mich trotzdem pünktlich hingesetzt und einfach erst mal nachgedacht. Dann einen Satz aufgeschrieben. Dann noch einen. Und plötzlich hatte ich mein Pensum geschafft. Nur so geht es.

5.10.2018

Qualität, Struktur, Ergebnisse.

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Look mum, I made it!

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6.8.2018

Vormittag in Frankfurt und Rückfahrt mit dem ICE nach Berlin, zusammen mit dem Team von Catherines Mitarbeiterfibel. Wir diskutieren Gott und die Welt und machen Quatsch. Ich habe viel Spaß und fühle mich wohl. Neue Freunde.

7.8.2018

Ich lese einen Artikel über Populismus in der FAZ und halte ihn zunächst für eine gute Analyse, warum Trump, AfD etc. derzeit so erfolgreich sind. Ein, zwei verdächtig weit rechts klingende Formulierungen überlese ich oder interpretiere sie als Stilmittel des Autors, sich in den Kopf des kleinen Mannes hineinzuversetzen. Am Ende steht, wer den Artikel geschrieben hat: Alexander Gaulandt, Vorsitzender der AfD. Weil ich den Beitrag in der Google-News-App gelesen habe, wird mir der Autor erst am Ende angezeigt. Ich erschrecke, lese den Beitrag sofort noch einmal. Wie konnte ich den Artikel für einen guten Beitrag halten? Ich halte die AfD für eine furchtbare Partei und Gaulandt für einen widerlichen, verlogenen Arsch, der auf dem Rücken der Schwachen an seiner Karriere feilt. Und das ist auch meine Erklärung: Dieser Beitrag ist ein cleverer Schachzug und ein guter Beweis für die perfide Strategie der AfD. Besonders für einen Beitrag in der FAZ: Spreche echte Probleme an, gib ein paar Antworten, mit denen auch Liberale mitgehen können, und streue ganz dezent extreme Ideen/Formulierungen ein. Ein Wolf im Schafspelz. So gewöhnt sich die Gesellschaft langsam an den Ton und es führt dazu, dass seit Monaten nur noch über Flüchtlinge diskutiert wird statt über andere drängende Probleme. Im Bierzelt, ohne Lügenpresse, kann Gaulandt dann ja wieder richtig vom Leder ziehen.

8.10.2018

Ich bin den ganzen Tag am Ackern und am Ende bleibt trotzdem noch so viel Arbeit übrig. Ich bin erschöpft, müde, denke schon an alles, was morgen noch zu tun ist. Es ist nicht einfach, guter Laune zu bleiben. Wie immer ist jetzt das richtige Rezept: schlafen gehen, morgen wieder raus und weitermachen. Jeden Tag schaffe ich etwas, und wenn ich nichts zu tun hätte, wäre mir unglaublich langweilig.

9.10.2018

Ich surfe in der App von mobile.de und schaue mir Wohnmobile an. Für um die 10.000 Euro gibt es schon echt coole Dinger, voll autark, mit Bett, Küche, Klo, Strom, Wasser und Schreibtisch. Alles, was ich brauche. Es juckt mich, mir einfach so ein Ding zu kaufen und loszufahren.

10.10.2018

Ich höre in den #wandelust-Podcast rein, den Bettina im August mit mir aufgenommen hat. Und ich merke, dass ich mittlerweile sehr übereinstimme mit der Art, wie ich in einem Podcast rüberkomme. Das bin ziemlich ich. Ging mir vor einem Jahr bei Markus Coenen auch schon so, früher eher nicht. Ein schönes Zeichen, dass ich mich so gebe, wie ich bin. Zumindest verbal.

11.10.2018

Wenn wir Westler uns mal wieder zu zivilisiert fühlen, helfen Texte wie diese (Übersetzung von DeepL und mir): “Die hawaiianische Kultur war zerstört worden, und die Menschen wurden durch europäische Krankheiten dezimiert; zwischen 1778 und 1893 schrumpfte die hawaiianische Bevölkerung von schätzungsweise achthunderttausend auf vierzigtausend, und bis zum Ende des neunzehnten Jahrhunderts war das Surfen fast verschwunden. Westwick und Neushul sehen die hawaiianische Surfkultur weniger als Opfer eines erfolgreichen missionarischen Eifers als vielmehr eines extremen demographischen Zusammenbruchs, einer Enteignung und einer Reihe von ausbeuterischen Industrien – Sandelholz, Walfang, Zucker–, die die überlebenden Inselbewohner in die Geldwirtschaft zwangen und ihnen die Freizeit entzogen.” (aus: „Barbarentage“ von William Finnegan)

12.10.2018

Gute Filme machen mich glücklich. Heute der kleine, feine Film “Don’t worry, he won’t get far on foot” mit Joaquin Phoenix als John Callahan, der als Alkoholiker im Rollstuhl sitzt, langsam sein Leben in den Griff bekommt und schließlich ein erfolgreicher Cartoonzeichner wird. Witzig und traurig zugleich.

13.10.2018

Es ist unglaublich, wie viele Touristen mittlerweile in Berlin rumlaufen. Ich fahre Unter den Linden entlang, Friedrichstraße, Checkpoint Charlie. Alles voll mit Reisebussen und Touristen. Kaum Berliner zu sehen. Ich habe nichts dagegen, in anderen Städten bin ich einer von ihnen, aber schön finde ich die Atmosphäre nirgendwo. Es ist wie in einem gigantischen Museum. Die Leute suchen nach Geschichte und verpassen dabei die Gegenwart.

14.10.2018

Morgens wird mir gesagt, dass ich so wirke, als wäre ich total im Reinen mit mir selbst. Am Nachmittag erzählt mir meine Freundin Souha von ihren zehn Tagen Vipassana-Retreat und dass ich das unbedingt auch machen sollte, weil ich bereit dafür sei. Das Kompliment am Morgen und die Empfehlung am Nachmittag versüßen mir ein leicht melancholisches Wochenende.

15.10.2018

Je öfter ich es mache, desto leichter fällt es mir, morgens meine tausend Wörter zu schreiben. Ich schere mich nicht mehr darum, ob es was taugt oder ob alles wieder rausfliegt. Ich schreibe einfach meine tausend Wörter und nähere mich meinem Ziel, Schritt für Schritt.