1.12.2018

Ich habe gerade gelernt, dass Kohlmeisen auf Englisch “Great Tits” heißen. Mein Gehirn überschlägt sich mit blöden Witzen.

2.12.2018

Ich merke, dass es mir schwerer fällt, jeden Tag mit einer Momentaufnahme aufzuwarten, wenn ich in Berlin bin. Genauso ist es mit witzigen oder schönen Fotos für Instagram. Mein Leben in Berlin verläuft einfach in so bekannten Bahnen, dass ich weniger neues entdecke, als wenn ich unterwegs bin. Das ist zur Erholung gut, aber nicht für die Kreativität. Wie könnte ich Berlin wieder überraschender für mich machen?

3.12.2018

Es ist jetzt nicht gerade die neueste Erkenntnis, aber es ist schon irre, wie schnell die Zeit vergeht. Zack, ist der Tag rum. Zack, ist die Woche rum. Zack, ist der Monat rum. Zack, ist das Jahr rum. Und wieder von vorne.

4.12.2018

Auch nicht so neu, der Gedanke, aber ist halt so: Mir ist Weihnachten mittlerweile sowas von egal. Es basiert auf zwei Dingen, die mir beide wenig bedeuten: Konsum und Religion. Religiöser Konsum. Konsumierte Religion.

5.12.2018

Erster Tag in London. Wenn Berlin mal groß ist, will es auch wie London sein. Hipper, stressiger, cooler. Aber vielleicht ist es auch nur der britische Akzent, der hier alles cooler wirken lässt. Da müssen wir uns mit dem Berlinern noch was überlegen.

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Mama, I'm am astronaut!

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6.12.2018

Geiles Ding. Ich gewinne beim Billard 100 Pfund im Hurricane Room in London. Und falle auf den dümmsten Bauerntrick der Welt rein: Mein Gegner geht angeblich zum Geldautomaten und kommt nicht mehr zurück.

7.12.2018

Mir gefällt, dass mich die Barfrauen in London “Darling” und “Baby” nennen. Kann mich nicht erinnern, in Deutschland mal “Süßer” genannt worden zu sein. Sollte man bei uns auch einführen.

8.12.2018

Auch wenn Konsumkritik natürlich abgedroschen ist: Nach einem Tag in Londons Innenstadt zur Weihnachtszeit und am Flughafen Stansted, der eher eine Shopping  Mall mit Fluganbindung ist, drehe ich vor lauter Konsumwahn gleich durch. Alles ist schön, alles inszeniert, es geht darum, dass wir alles kaufen, was wir können, bis wir nicht mehr können. Werbung und Shopdisplays versprechen uns das wahre Glück auf Erden, wir trampeln uns tot auf dem Weg zum nächsten Schnäppchen. Und es ist alles Schrott. Ich will da nicht mehr mitmachen.

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Ich werde jetzt Glücksritter in Vegas.

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9.12.2018

Keine 24 Stunden zurück in Berlin und ich fantasiere, wo ich als nächstes hinreisen könnte. Das hat gar nichts mit Berlin zu tun. Ich bin nur einfach gerne unterwegs.

10.12.2018

Auf einer tief sitzenden Ebene bedeuten Menschen für mich Erwartungen. Das treibt mich enorm an, stresst mich aber auch sehr und hat zum Ergebnis, dass ich Begegnungen manchmal ausweiche oder in sozialen Situationen nur schwer richtig entspanne. Blöd irgendwie, weil eigentlich bin ich gerne mit Menschen zusammen.

11.12.2018

Ich höre laut Jazz mit der Anlage meines Vaters. Und wie immer macht es mich traurig und dankbar zugleich. Dankbar, dass ich die Liebe zur Musik durch ihn entdeckt habe, und traurig, dass wir sie nicht mehr teilen können.

12.12.2018

Ich würde ja gerne mal ein bisschen rumjammern. Darüber, dass ich echt zu viele Teller drehe gerade, dass ich erschöpft bin, genervt… Aber das hilft ja irgendwie auch nichts. Mein Leben sieht schon ganz schön gut aus, es geht mir gut, ich bin gesund, reich, habe tolle Freunde und ein angenehmeres Leben als die meisten auf diesem Planeten. Mein Druck ist größtenteils selbst gemacht. Kann ich auch anders machen.

13.12.2018

Nochmal zum Thema Druck. Was mich gerade richtig stresst, ist meine selbst gesetzte Deadline für den ersten Entwurf meines Buches zum 31.12.18. Entgegen aller Beteuerungen in meinen Schreibberichten bin ich doch ein ganzes Stück entfernt vom Ziel von 80.000 Wörtern. Ich habe Zweifel an der Story und hänge an einer Stelle am Ende fest. Doch das Schöne an selbstgemachtem Druck ist, dass ich ihn auch wieder loswerden kann. Es kann sein, dass ich meine Pläne ändere. Gleichzeitig lese ich seit gestern “The Obstacle is the way” (deutsch / englisch), wo es darum geht, dass Hindernisse nicht nur lästig sind und beseitigt werden müssen, sondern hilfreich sind, um seine Ziele zu erreichen. Also wird der ganze Stress derzeit schon zu etwas gut sein.

14.12.2018

Und wenn man dann aufgibt, nicht im Sinne von resignieren, sondern von akzeptieren, was ist, dann sieht alles schon viel besser aus. Dann passieren gute Dinge. Dann wird alles wieder klarer.

15.12.2018

Seit Jahren erhalte ich Emails für einen anderen Patrick Baumann. Einen, der sich seine E-Mail-Adresse schlecht merken kann. Oder der eine sehr ähnliche hat. Es geht um Semesterarbeiten, Scheine, Beurteilungen, Bachelorarbeiten. Also entweder studiert da ein Patrick Baumann sehr lange, oder es gibt einige studierende Patricks, die mit E-Mails nicht so klar kommen. Jedes Mal antworte ich, dass die E-Mail falsch ist. Nie bekomme ich eine Antwort.