1.3.2019

Na super. Kaum ist Weihnachten vorbei, bekommen wir jetzt zwei Monate lang das nächste bekloppte Fest um die langen Ohren gehauen, das auf dem dicken Märchenbuch der Bibel beruht. Heute die ersten Ostereier im Supermarkt gesehen. Wenigstens werde ich heute für diese Zeilen nicht mehr verbrannt oder gesteinigt. Aber bevor wir Angst vor der Islamisierung des Abendlandes haben, könnten wir ja mal mit der Christianisierung aufhören.

2.3.2019

Wie asi ist es eigentlich, in einem Café aus der gratis ausliegenden Tageszeitung einen Teil einfach mitzunehmen? Schon während ich diesen Satz schreibe, fühle ich wie mich der letzte Gartenzwergspießer, aber ich fühle mich persönlich beraubt, wenn das jemand macht. Das Café stellt gratis für alle Zeitungen zur Verfügung und ein anderer hält sein Interesse, einen bestimmten Teil mit nach Hause zu nehmen, für so viel wichtiger als das Interesse aller anderen, eine komplette Zeitung vorzufinden. Aber über korrupte Politiker und Steuern hinterziehende Promis schimpfen.

3.3.2019

Gestern und heute hatte ich keine Termine. Ich habe mir das Wochenende frei gehalten, um an meinem Buch zu arbeiten. Beide Tage waren ganz fantastisch. Ich habe mich richtig gefühlt wie ein Künstler. Ich habe ausgeschlafen, unten im Café gefrühstückt und die Zeitung gelesen, dann bin ich zurück in meine Wohnung und habe am Buch gearbeitet. Unterbrochen von Pausen mit Kaffee, Tee, lesen und abends ein, zwei Folgen einer Serie zu schauen und früh ins Bett zu gehen. Das kommt dem ziemlich nahe, was ich mir unter einem perfekten Tagesablauf vorstelle.

4.3.2019

Ich: “Stell dir mal vor, du würdest morgen aufwachen und hättest siebzehn Millionen.”
Sie: “Dann würde ich mir erst mal ein Eis kaufen.”

5.3.2019

Ich werde wieder gesund. Ich habe keine Lungenentzündung, mein Husten ist dank Antibiotika fast verschwunden und am Donnerstag fliege ich für gut zwei Wochen nach Gran Canaria. Es fühlt sich gut an, wieder auf dem Weg der Besserung zu sein. Jetzt ’ne gute Zeit im Warmen und dann geht es frisch in Berlin weiter.

6.3.2019

Letztes Jahr hatte ich zu hohe Cholesterinwerte. Da ich laut Tabelle wegen familiärer Vorerkrankungen in einer Risikogruppe bin, war der Wert über dem Grenzwert. Zwei bemerkenswerte Dinge dazu:

  1. Mit einem Arzt besprach ich die Werte und er schlug sofort, ohne mit mir Alternativen zu besprechen oder nach meiner Lebensweise/Ernährung zu fragen, die Einnahme von Statinen vor, der klassischen Medikation, die ich dann wahrscheinlich bis ans Ende meines Lebens nehmen würde und die mit Nebenwirkungen verbunden sind. Ich lehnte ab und beschloss, diesen Arzt nie wieder aufzusuchen. Nicht, weil Statine nicht vielleicht wirklich irgendwann sinnvoll sind, sondern weil es so automatisch angeboten wurde, ohne genauer nachzuforschen. Was, wenn ich ja gesagt hätte?
  2. Vor drei Monaten habe ich begonnen, so gut wie kein Fleisch und auch nur gelegentlich andere tierische Lebensmittel zu mir zu nehmen (vorher: ca. fünf Mal pro Woche Fleisch und täglich drei Eier). Letzte Woche Bluttest gemacht: Cholesterinspiegel bombig, alles in Ordnung. Ohne Statine.

Ich bin einerseits total happy, dass ich das einfach so durch eine Ernährungsumstellung erreichen konnte, und gleichzeitig erschüttert, wie wenig von Ärzten auf die Ernährung geschaut wird.

7.3.2019

Mein erster Tag auf Gran Canaria, Las Palmas. Das Wetter ist schön, die Sonne scheint und es sind 20 Grad. Abends gehe ich an der Strandpromenade spazieren und laufe durch die Stadt zurück zu meiner Unterkunft. Die Stadt besteht hier oben vor allem aus viel Beton, hässlichen Appartment- und Geschäftshäusern, die ihre besten Zeiten lange hinter sich haben. Die Ecke hier hat wenig Charme; Nagelstudios und Kneipen wechseln sich ab, die Stadt strahlt null Dynamik aus, was mir in Porto noch so gut gefallen hatte. Ein paar Tage wird es sicher ok sein, aber hier zu leben kann ich mir nur schwer vorstellen.

8.3.2019

Ein zerfahrener Tag: Auschecken, den Marvmaster am Busbahnhof treffen, auf unser Checkin im neuen Appartment warten und zwischendurch rumlaufen und bei Starbucks sitzen. Aber am Nachmittag zwänge ich noch drei Stunden konzentrierte Arbeit für meine Kunden rein und mache den Tag trotzdem zu einem produktiven Tag.

9.3.2019

Karneval in Las Palmas. Wir sind draußen mit Bier in der  Hand und sehen niemanden, der das auch macht. Wir fragen einen Polizisten, ob es illegal sei, auf der Straße Alkohol zu konsumieren. Er sagt nein, kein Problem, ist erlaubt. Und da hinten – er weist uns den Weg – seien die Leute, die saufen. Viel Spaß. Die Polizei, dein Freund und Helfer.

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Kostümtechnisch gehe ich ja gerne all in.

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10.3.2019

Ich wache um zehn auf, nach nur sechs Stunden Schlaf. Im Kopf noch die Getränke der Nacht, aber nicht zu schlimm. Ich mache einen Spaziergang durch das sonnige Las Palmas, kaufe Frühstück ein. Später rumliegen am Strand, schnell ist der Tag rum, früh ins Bett. Ein perfekter Sonntag.

11.3.2019

Duolingo hat Gamification schon richtig gut verstanden. Bin richtig süchtig danach, noch ’ne Lektion und noch eine und noch eine abzuschließen. Ich hoffe nur, dass ich auch wirklich was dabei lerne und nicht nur einen weiteren Zeitfresser in mein Leben geholt habe…

12.3.2019

Ein paar Tage in Las Palmas sind vergangen. Ich finde die Stadt immer noch oll, aber habe mich zumindest daran gewöhnt. Der Strand und das Meer sind schön, Sonne und ’ne Brise wirklich angenehm. Nee, ich werde vermutlich nicht wiederkommen, aber für die nächsten zwei Wochen ist es schon ok.

13.3.2019

Ich wache um 4.30 Uhr auf, wälze mich eine halbe Stunde herum, kann aber nicht wieder einschlafen. Um kurz nach 5 gebe ich auf und stehe auf. Ich mache Kaffee und fange einfach an zu arbeiten. Um 11 habe ich schon fast ein normales Tagespensum geschafft, doch ich mache weiter und habe abends acht echte, fokussierte Stunden Arbeit auf der Uhr. Jetzt ist es 23 Uhr und ich bin platt, aber zufrieden.

14.3.2019

Wechsel in die Altstadt von Las Palmas. Siehe da, die Stadt, die ich eben noch ziemlich scheiße fand, zeigt hier ein anderes Gesicht. Schönere Häuser, netteres Flair, irgendwie mehr, als würden hier richtige Menschen leben. Verstehe jetzt auch ansatzweise, warum Las Palmas ein beliebter Ort für digitale Nomaden ist.

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Pretty pretty Häuser in Las Palmas

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15.3.2019

Ein herrlicher Tag mit 20 Grad, ohne Wolken und ’ner schönen Brise. Am Nachmittag sitzen wir in der Bibliothek, arbeiten und schauen dabei direkt aufs Meer. Dazwischen Pause im Park in der Sonne mit Blick auf den schönen Jugendstil-Kiosk. So gefällt es mir hier.