1.4.2019

Ich habe keine Lust mehr, mir Ziele zu setzen. Ziele deprimieren mich, Ziele lähmen mich. Stattdessen möchte ich mich auf das Machen konzentrieren, auf den Prozess, auf die Sache, auf den Moment. Dann werden die Ergebnisse kommen, aber nicht, wenn ich mir Ziele setze, die wie eine Drohung über mir schweben, wie eine Prophezeiung, dass ich sie nicht erreichen werde. Ziele mögen für andere funktionieren, für mich funktionieren sie nicht. Bzw. bringen sie mich schon voran, aber um den Preis, dass ich den Spaß verliere. Ich bin glücklich, wenn ich in der Sache bin, wenn ich voll auf die Sache und den Moment konzentriert bin. Dann erreiche ich gute Ergebnisse. Nicht, wenn ich am Anfang schon mit dem Ende beschäftigt bin.

2.4.2019

Heute wäre Papa 75 geworden. Vor drei Jahren habe ich ihn das letzte Mal gesprochen, wo er noch bei vollem Bewusstsein war. Ich war unterwegs, in Chiang Mai, hatte ihn zuvor nicht erreicht und nun rief er mich auf Skype zurück. Die Verbindung war schlecht, das Gespräch war kurz, ich gratulierte ihm zum Geburtstag und versprach, ihn bald besuchen zu kommen. Ich wünschte, wir hätten länger geredet. Happy birthday!

3.4.2019

Es ist doch nicht zu fassen mit der Schreiberei. Heute ging es wirklich gut. Und an anderen Tagen werde ich bald verrückt, weil mir nichts einfällt oder ich alles schlecht finde, was ich geschrieben habe. Heute hat mir Mut gemacht. Ich werde irgendetwas schaffen, es wird ein Buch geben, vielleicht wird es sogar ein gutes Buch geben. Ich bin mir sicher, dass ich ähnliche Worte schon einmal geschrieben habe, aber es ist einfach wieder und wieder eine faszinierende Erkenntnis, was für ein emotionales Auf und Ab es bedeutet, ein Buch zu schreiben.

4.4.2019

B. und ich können uns beide nicht mehr erinnern, worüber wir uns beim letzten Mal gestritten haben. Jedenfalls haben wir beide keinen Bock mehr drauf und verbringen einen super Abend mit lustigen und anregenden Gesprächen. Wie damals auf dem Dach.

5.4.2019

40 oder 50 Citizens im Bata. Alle haben Spaß und ich bin stolz wie Bolle. Ich muss sagen, es fühlt sich schon nicht ganz unangenehm an, Anerkennung für die eigene Arbeit zu bekommen. Ich habe schon  viel angefangen, wo am Ende nicht viel bei rausgekommen ist. Aber das Bata haben wir gut gemacht.

6.4.2019

Beim Halbzeittreffen des Citizen Circle. Am eindrucksvollsten ist für mich ein Vortrag über das richtige Sprechen mit Menschen. Die entscheidende Botschaft: Man soll so reden, wie man immer redet. Das setzt voraus, dass man sich der eigenen Art zu sprechen, der eigenen Gestik, Mimik, Wortwahl bewusst ist, damit man unter Druck in einer Vortragssituation sich entsprechend genauso verhalten kann. Also mal wieder das Thema Achtsamkeit. Ich werde darauf achten.

7.4.2019

Nach all den Menschen in den letzten zwei Tagen heute einfach nur ein ruhiger Tag in der Natur. Ich bin zwar ein Stadtkind, aber tut mir auch gut!

8.4.2019

Habe nicht viel zu sagen heute. Bin in meiner Routine, schaffe gut was weg, abends Mutti zu Besuch, Sport und Billard. Das Leben meint es gut mit mir.

9.4.2019

Wir schauen “Jim & Andy”, eine fantastische Doku auf Netflix über die Dreharbeiten zu Jim Carreys Film “Man on the moon”. An einer Stelle erinnert er sich an seinen Vater, der Künstler war, aber aus Sorge und Verantwortung für seine Familie Buchhalter geworden ist. Mit 50 verlor er seinen Job, das brach ihn. Carrey sagt, dass es viel härter sei, Kompromisse zu machen und dann trotzdem zu scheitern, als wenn man dabei scheitert, wenn man das macht, was man liebt. Das sei viel einfacher, also sollten wir es tun.

10.4.2019

Comeback im #workhacks-Team. Die Art der Kommunikation und Zugewandheit ist hier einfach etwas ganz besonderes. Ich bin froh, Teil davon zu sein. Lydia und ich kennen uns nun schon so lange und es ist echt der Hammer, sich noch immer so viel zu sagen zu haben.

11.4.2019

Ich haue mal richtig einen raus und gönne mir für 4 € einen reservierten Sitzplatz im Flixbus. Erste Reihe mit Ausblick. Später auf der Fahrt bin ich mir nicht mehr sicher, ob das eine gute Idee war. Dort kann ich nämlich beobachten, wie der Fahrer an seinem Handy rumfummelt, während der Bus in leichten Schlangenlinien mal in die linke Spur wechselt und mal rechts auf die Standspur driftet. Ich kann mich nicht entscheiden, ob ich dem Busfahrer die Kompetenz zugestehen soll, dass er die Sache voll im Griff hat, oder ob er mit unser aller Leben spielt. Nächstes Mal vielleicht doch lieber wieder Lümmel in der letzten Reihe.

12.4.2019

Heute merke ich wieder einmal, wie schwer ich mir dabei tue, die Qualität meiner eigenen Texte einzuschätzen. Nachdem ich in den letzten Wochen größte Zweifel daran hatte, dass ich es schaffe, einen guten Roman zu schreiben, habe ich eben wirklich tolles Feedback von meiner Lektorin zu meinem ersten Entwurf bekommen. Und schon bin ich wieder motiviert und finde meinen Text auf einmal auch selbst viel besser, wenn ich ihn lese. Es ist doch verrückt.

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Schirme hatten wir genug, aber geregnet hat es gar nicht.

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13.4.2019

Ich gucke mir gebrauchte Transporter im Netz an. Mit 5000 ist man dabei. Dann vielleicht noch 10000 für den Ausbau und ich könnte mietfrei im Van leben. Die Idee fasziniert mich so ähnlich wie damals 2011 die Idee der Ortsunabhängigkeit. Erst war es nur eine tolle Idee und dann habe ich es einfach gemacht. Es juckt mir in den Fingern.

14.4.2019

Es ist nicht eindeutig, wer ein Terrorist ist und wer nicht. In Deutschland haben wir Angst vor Terroristen, während wir Westler gleichzeitig in anderen Teilen der Welt als die Terroristen gesehen werden. Aus Inside IS: “Der Amerikaner Samuel Huntington ist sich mit vielen Historikern einig, wenn er feststellt: »Der Westen hat die Welt nicht durch die Überlegenheit seiner Werte erobert, sondern durch seine Überlegenheit beim Anwenden von Gewalt. Westler vergessen diese Tatsache oft, Nichtwestler nie.«”

15.4.2019

Inside IS zu Ende gelesen. Ich bin immer wieder völlig ungläubig (pun intended!), was Leute im Namen der Religion tun können. Aufgrund eines Buches, was irgendjemand vor hunderten oder tausenden von Jahren geschrieben hat. Als hätte es die Jahrtausende und Jahrmillionen davor nicht gegeben und zufällig jetzt gerade ist dieses eine Buch so wichtig. Als würde es nicht hunderte anderer Bücher geben, die den gleichen Anspruch hätten. Es ist so unfassbar bekloppt, und doch sorgt es seit Jahrhunderten für Krieg.