16.4.2019

Ich renne durch mein Leben. Ich mache eine Million Sachen gleichzeitig. Ich genieße es. Und ich muss permanent aufpassen, dass ich nicht wahnsinnig werde, Dinge vergesse, schlampig werde, mich überanspruche. Aber irgendwie ist es auch ziemlich geil.

17.4.2019

Ich sehe auf Facebook einen Beitrag mit dem Hashtag #notredame und denke, es wäre der nächste Terroranschlag passiert. Ich habe nichts mitbekommen von der ganzen Sache, obwohl es schon zwei Tage her ist. Dann sehe ich: Es ist eine Kirche abgebrannt. Zugegebenermaßen ein wichtiges Bauwerk, aber trotzdem: Ein Gebäude hat gebrannt. Und doch sehe ich das gleiche Betroffenheitstheater wie nach den Anschlägen in Paris, am Breitscheidplatz oder wahrscheinlich auch beim nächsten Erdbeben mit 100.000 Toten tausende Kilometer entfernt von uns. Kein großer Unterschied, was man auch an den Millionen von Spenden sieht, die in zwei Tagen zusammenkommen. Das bedeutet für mich, dass es oft gar nicht um die eigentliche Sache geht, sondern mehr darum, auch betroffen zu sein. Es ist, wie bei einem Verkehrsunfall nicht wegschauen zu können.

18.4.2019

Ich lese “Der Block” von Jérôme Leroy. Wie in meinem Buch geht es um die neue Rechte, die auf dem Weg zur Macht ist bzw an der Macht ist. Es ist wirklich gut geschrieben und fängt die Stimmung sehr gut auf. Ich frage mich, ob ich gute Romane, die in meine Richtung gehen, lesen sollte, um mich inspirieren zu lassen, oder ob ich sie ignorieren sollte, damit ich nicht Gefahr laufe, abzuschreiben oder mich in meiner eigenen Fantasie zu sehr einzuschränken.

19.4.2019

Ich schaue ein paar Videos mit Jordan Peterson. Dieser Mann begeistert mich immer wieder. Er sagt, dass Verantwortung zu übernehmen uns viel mehr Sinn gibt, als alle möglichen Rechte zu haben. Ich habe es bei mir selbst und bei anderen erlebt: Eine große Verantwortung zu übernehmen, zum Beispiel mit fremden Geld ein Unternehmen zu gründen oder Vater zu werden, hat mich und andere um mich herum erwachsen gemacht. Verantwortung ist manchmal furchteinflößend, aber zutiefst befriedigend.

20.4.2019

Seit ich an meinem eigenen Buch arbeite, lese ich Bücher ganz anders. Gerade lese ich “Der Block”, einen französischen Roman über die neue Rechte. Was ich richtig gut gemacht finde, ist die Tiefe, mit der der Autor die Welt erschafft, in der der Roman spielt. Aber erzählt ist das Ganze stellenweise recht langweilig. Ich nehme also mittlerweile Romane nicht mehr als Gesamtwerk war, sondern als Summe verschiedener Aspekte. So kann ich mir bei einem Autor den einen Aspekt abschauen und bei einem anderen etwas anderes.

21.4.2019

Und dann stehen sechs Erwachsene im Hof und wollen, dass das Kind Eier sucht. Das Kind ist aber schon voll happy mit dem Laster, den es im Gebüsch gefunden hat. Naja, noch ein paar Jahre Übung und das Kind wird sich darüber beschweren, dass der Osterhase nicht das neueste iPhone gebracht hat 🙂

22.4.2019

Manchmal denke ich, ich hätte gerne Urlaub von den Momentaufnahmen. Aber dann reiße ich mich wieder zusammen, weil ich meinen Lauf nicht unterbrechen will. Ein Jahr schaffe ich mindestens.

23.4.2019

Die Jacke entweder in Pädophilen-beige oder in der Farbe “bunt”, letzteres gerne als Sportblouson aus Ballonseide, dazu eine karottenförmige 10/11-Hose,damit man die weißen Socken und die Vintage-Schleicher sieht. Hier in Moabit sehe ich so viele junge Leute mit Muttis und Papis übergroßen 80er-Jahre-Klamotten, dass ich mich frage, ob dieser Kleidungsstil mittlerweile einen Namen hat.

24.4.2019

Wetterbericht im Berliner Fenster in der U5. Wegen “Sarahstaubs” kann es etwas bewölkt sein. Danke, Sarah!

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Statt Affe auf der Schulter: Hund im Rucksack.

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25.4.2019

Vorm Moabiter Knast steht ein Paar und unterhält sich brüllend mit einem Kumpel, der dort einsitzt. Man sieht ihn nicht, kann nur seine Antworten aus einem der Zellenfenster hören. Es scheint lustig zuzugehen. Ich verstehe die Sprache nicht, aber das Paar biegt sich vor Lachen. Ich stelle mir vor, dass dieses Gespräch für den Knacki das Highlight des Tages ist.

26.4.2019

Wenn ich Joshua Filler spielen sehe, werde ich zum Fanboy. Der Junge ist 21 und gewinnt nach der WM auch die US Open im 9-Ball. Er spielt schnell, mutig, technisch stark und hat auch noch ne Menge Spaß dabei. Falls du es noch nicht wusstest: Ich bin ein Billardnerd.

27.4.2019

Wir sitzen in der U-Bahn und unterhalten uns über die Strafe fürs Schwarzfahren. Dass es sich lohne, selbst wenn man einmal im Monat erwischt würde. Da meldet sich die Frau uns gegenüber zu Wort, die die ganze Zeit unbewegt auf den Boden gestarrt hat. Hohle Wangen, Tunnel im Ohr, wilde Klamotten, Basecap tief im Gesicht, Piercings und ne Flasche Fruchtsaft in der Hand. Nee, nach drei mal Schwarzfahren ginge man in den Knast, sie selbst habe schon mal drei Monate dafür gesessen. Müsse man vorsichtig sein, rät sie uns noch und steigt aus.

28.4.2019

Das erste Mal seit Tagen habe ich ein paar Stunden unverplanter Zeit alleine. Das ist wie Urlaub für den Kopf. Ich mag meine Freunde und die Menschen, mit denen ich mich umgebe, aber wenn ich keine Pausen bekomme, dreht mein Kopf durch. Das klingt für mich selbst schon manchmal soziopathisch, für andere wahrscheinlich auch. Freiwillig allein sein in einer Stadt, in der sich alle allein fühlen? Ist aber so. Wenn ich meine Pausen von Menschen bekomme, bekommen die Menschen letztlich eine besseren Version von mir.

29.4.2019

Ich habe nirgendwo so viel über meine Leistungsfähigkeit gelernt wie am Billardtisch. Wenn ich zu viel will, klappt nichts. Wenn ich zu wenig will und keine Lust habe, auch nicht. Heute erwische ich den Sweet Spot dazwischen, habe Spaß, bin entspannt und spiele für ein, zwei Stunden richtig, richtig gut. Dann lässt die Spannung wieder nach, aber das ist mir egal. Purer Genuss war das. Es erinnert mich an meinen Eintrag über Ziele kürzlich. Es ist viel schöner, in der Sache aufzugehen und dabei automatisch Ziele zu erreichen, anstatt ihnen wie der Esel der Karotte nachzuhecheln.

30.4.2019

Und wieder sind zwei Wochen rum. Schon seit einem Dreivierteljahr schreibe ich die Momentaufnahmen. Sie sind wie Markierungen am Wegesrand, an denen ich ablesen kann, wie die Zeit vergeht.