16.5.2019

Ich starte spät in den Tag und esse irgendwann ein spätes Mittagessen bzw. ein frühes Abendessen. Danach bin ich so müde, dass ich mich hinlege und von 18 bis 21 Uhr schlafe. Jetzt hätte ich den Tag eigentlich abschreiben können, aber ich setze mich einfach an den Computer und erledige einige Aufgaben, die ich schon seit Tagen vor mir herschiebe. So wird es doch noch ein halbwegs produktiver Tag.

17.5.2019

In einer vollen S-Bahn in einer vollen Stadt neigt man dazu, die anderen nicht mehr als Individuum zu sehen, sondern als Teil der Masse, die einfach nur nervt. Dann sehe ich, dass der sechzehnjährige Tourist neben mir mit Edding „San Diego > Grand Canyon > Las Vegas“ auf den Rand seiner Schuhe geschrieben hat. Und sofort ist er für mich ein Mensch mit Erfahrungen und Träumen.

18.5.2019

Mein dummer Vermieter erlaubt mir nicht mehr, meine Wohnung unterzuvermieten. Ohne Grund, einfach so. Ich muss an Little Britain denken: „Computer sagt nein“. Mein Vermieter sagt nein. Mein Modell, meine Wohnung mehrere Monate im Jahr zu vermieten und mich an anderen Orten aufzuhalten, funktioniert so nicht mehr. Vielleicht wollen sie, dass ich kündige oder mich dazu verleiten lasse, meine Wohnung ohne Genehmigung zu vermieten, um mir kündigen zu können. Mein Ego sagt mir: Den Pennern werde ich es zeigen, mich werdet ihr nicht los. Aber eigentlich denke ich: Dann erstickt ihr Säcke doch an eurem Geld, ich gehe einfach woanders hin und mache, was mir gefällt.

19.5.2019

Ich habe kürzlich im Tagesspiegel von einer Studie gelesen, wonach bereits 20 Minuten täglicher Aufenthalt in der Natur den Stresslevel im unserem Gehirn deutlich senken. Wenn das stimmt, dann habe ich heute das Äquivalent von zwei Wochen geschafft.

20.5.2019

Vor fast 20 Jahren haben Sven und ich uns im Studium kennengelernt. Heute schmeißen wir zusammen Kettlebells durch die Luft.

21.5.2019

Heute einen Vorschlag erhalten, der meine Komfortzone stark erweitern würde. Reaktion: erst natürlich Angst, dann aber sofort der mittlerweile automatische Reflex, zuzusagen. Ich bin stolz darauf, dass ich mittlerweile so auf solche Herausforderungen reagiere. Und dann denke ich, ob es wirklich schlau ist, die Entscheidung wirklich ohne nachzudenken zu treffen. Vielleicht wäre es besser, diese spezielle Challenge noch ein bisschen zu verschieben?

22.5.2019

Digital Minimalism von Cal Newport angefangen und schon begeistert. “When the student is ready, the teacher will appear”, heißt es ja. Oft habe ich den Reflex, dass mit Planung verbrachte Zeit verschwendete Zeit ist, und tauche sofort in die nächste Aufgabe ein. Aber wenn ich betrachte, wie viel unnötige Dinge ich teilweise tue, muss ein bisschen länger nachdenken eigentlich immer sinnvoll sein.

23.5.2019

Cal Newport schlägt eine 30-Tage-Detox von allen nicht notwendigen Apps und Geräten vor, bevor man sich dann neu entscheidet, was man dauerhaft nutzen will. Ich weiß, dass ich bereit dafür bin, freue mich darauf, aber finde es auch extrem. Und dann: Wie absurd ist es, dass ich es extrem finde, Social Media und Smartphone weniger zu nutzen?

24.5.2019

Ich habe mal gelesen, dass man beim Sport, wenn man denkt, man kann nicht mehr, und sein Leben verflucht, dankbar dafür sein sollte, dass man jetzt gerade mit Sport beschäftigt ist anstatt mit Krieg, Hunger etc. Dass man also für jede Wiederholung, die man machen darf, dankbar sein sollte. Das hilft mir jetzt auch am Schreibtisch, wenn ich mit meinem Roman kämpfe und mich bedauere, wie schwer ich es habe. Was für ein Luxus ist es eigentlich, dass ich es mir erlauben kann, jeden Morgen zwei Stunden alleine an meinem Schreibtisch zu sitzen und mir eine Welt auszudenken?

25.5.2019

Sie hätten gerne miteinander geredet. Aber es ging nicht: Sie hatten beide Kopfhörer auf.

26.5.2019

Als ich zum ersten Mal hörte, dass man Schlafsäcke, anstatt sie zu rollen, lieber chaotisch in ihren Beutel stopfen sollte, konnte ich es kaum glauben: Die intuitive Methode, die einem immer ein schlechtes Gewissen gemacht hatte, sollte die bessere sein? Wie wäre das, wenn es auch auf andere Dinge im Leben zuträfe? Saufen und Chips fressen ist viel gesünder! Man sollte viel mehr rumliegen und nichts tun, als fleißig sein und zu arbeiten (wobei da wirklich was dran sein könnte)!

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Ich habe mich rahmen lassen.

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27.5.2019

Ich scheiß in den Wald und ich wasch mich im See. Nackt im kalten Wasser fühle ich mich, als würde ich mich selbst zum Naturburschen taufen.

28.5.2019

Tja, was war denn heute? Es hat geregnet den ganzen Scheißtag. Aber am Ende sind wir satt und sauber auf einem Campingplatz in Krakau und alles ist in Ordnung.

29.5.2019

Ich habe mich langsam an den Van gewöhnt. Essen, schlafen, fahren und alle Verrichtungen drumherum funktionieren immer automatischer. Zum ersten Mal hatte ich heute das Gefühl, dass ich tatsächlich in so einem Ding leben könnte.

30.5.2019

Wir fahren auf Landstraßen mitten durch Polen, an Lodz vorbei bis hinter Posen. Die Sonne scheint und die Landschaft sieht fantastisch aus. Hügel, Wiesen, Wälder und Felder, und alles ein bisschen weniger glatt und saniert als bei uns. Wenn wir keine Autos sähen, könnten wir auch im 19. Jahrhundert unterwegs sein.

31.5.2019

Wir liefern uns einen Staring Contest mit einem Reh und legen uns mit einer Meute Kröten an, die wild durcheinander quakend ihr Schilfgebiet verteidigen. Abends erkennen wir dann Haubentaucher daran, dass sie tauchen und eine Haube haben und beobachten eine Entenfamilie bei der Abendtoilette. Wenn das Stadtkind auf dem Land ist.