1.6.2019

Wir stehen in der prallen Sonne. Unsere Solaranlage produziert genau so viel Strom, wie unser Kühlschrank verbraucht. Ich finde zwei Dinge daran faszinierend: Dass wir unseren eigenen Strom erzeugen, einfach nur mit Licht. Und dass wir mit der Hitze der Sonne unsere Lebensmittel kühlen!

2.6.2019

Mittags in der S-Bahn durch die Stadt. Der Mann neben mir krakeelt mehrmals durch den Wagon, dass er gestern nach elf Jahren und neun Monaten aus dem Knast entlassen wurde. Er ist fett, betrunken, drückt mir seinen Ellbogen in die Seite und macht auf Konversation. Er will entweder nur reden oder sucht Streit. Wie muss das sein, wenn man nach solch einer langen Zeit wieder in der Freiheit ist? Da würde ich vermutlich auch recht wenig auf Konventionen geben.

3.6.2019

Drei Folgen Game of Thrones später fällt mir ein, dass ich früh ins Bett gehen wollte. Aber hat sich gelohnt.

4.6.2019

Zwei Tage wieder am Schreibtisch und ich fühle ich mich wie ein eingesperrtes Tier. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass ich acht Stunden am Tag auf einen PC-Bildschirm schaue, oder an einer Wohnung in einer zubetonierten Stadt. Mir fehlt die Natur schon nach einer Woche. Änderungen sind nötig.

5.6.2019

Wenn man für einen Bestseller so schreiben muss wie David Baldacci, dann verzichte ich dankend.

6.6.2019

Heute beginne ich meine 30-Tage-Pause von fast allen Apps auf meinem Smartphone, wie es Cal Newport in “Digital Minimalism” vorschlägt. Weiterhin besuche ich keine Social-Media-Seiten, allen voran Facebook und Instagram. Ich bin gespannt und freue mich, was passiert. Nach den dreißig Tagen entscheide ich neu, welche Tools und Dienste ich dauerhaft und auf welche Weise nutzen will. Leicht scary, aber nur leicht. Ich glaube, das ist eine der besten Entscheidungen des Jahres.

7.6.2019

Tag 2 meines großteils entdigitalisierten Lebens. Es ist fast so wie damals, als ich aufgehört habe, den ganzen Tag zu kiffen. Ich habe viel mehr Zeit und weiß gar nicht, was ich damit machen soll.

8.6.2019

Wir scheuen uns oft, klare Regeln festzulegen und Ansagen zu machen, aus der Sorge, streng oder hart zu wirken. Dabei haben die meisten Menschen mit klaren Regeln viel weniger Probleme als mit Unklarheiten und Willkür.

9.6.2019

Ich merke, dass sofort meine Lebensqualität sinkt, wenn ich mein Smartphone zur Hand nehme. Leider merke ich es erst, wenn ich es wieder weg lege. Zum Glück habe ich jetzt deutlich weniger Möglichkeiten, was ich damit machen kann.

10.6.2019

Berlin-Hack: Zu zweit einen Emmy-Roller für den ganzen Tag mieten (29 Euro) und ins Umland fahren. Direkt hinter Berlins Stadtgrenze, teilweise auch davor, liegen ziemlich einsame Wälder und Seen, an denen man dem Beton gut für ein paar Stunden entkommen kann.

11.6.2019

Morgens habe ich überhaupt keinen Bock auf Arbeit. Aber dann fange ich an, mache mir einen Plan und arbeite einfach Zeug weg, so lange es geht.

12.6.2019

Höre heute im Zusammenhang mit Billard den Satz: „You gotta improve your B game.“ Da ist so viel wahres dran: Wenn wir super drauf sind, in the zone, im Flow, dann gelingt uns alles und wir wollen die Welt umarmen. Da können wir alles schaffen. Doch dieser Zustand tritt nur selten ein. Viel wichtiger ist, welches Level wir jeden Tag abliefern können. Was ist unser „B game“? Wenn wir langfristig in etwas gut sein wollen, müssen wir unser Mittelmaß verbessern, nicht unsere Spitzenleistung.

13.6.2019

Heute morgen eine falsche Entscheidung getroffen und den ganzen Tag mit Computerscheiß verbracht. Am Ende des Tages lasse ich es gut sein und bestelle mir einen neuen.

14.6.2019

Ich bin immer wieder überrascht und erfreut, wenn ich Anfragen erhalte, für einen Podcast interviewt zu werden. Gestern ist Tanjas Podcast mit mir erschienen. Wenn ich an erste Interviews denke, die ich vor Jahren gegeben habe, dann bin ich heute wirklich happy, was ich sage und wie ich es sage. Ich finde mich in diesen Interviews wirklich wieder.

15.6.2019

Manchmal ist das Leben wie ein Sketch. Ich erinnere mich an eine Szene vor ein paar Tagen beim Bäcker: Ein totaler Kontrollfreak lässt die Verkäuferin testweise Scheiben seines eben erworbenen Brotes mit der Brotschneidemaschine schneiden und sich dann zur Abnahme präsentieren – in Abstufungen von 0,5 mm. Nach der dritten Änderung der Einstellung bemerkt sie resigniert: „Gleich is ja ooch nix mehr da von dem Brot.“