1.8.2019

Bis 13 Uhr bekomme ich schon fünf produktive Stunden auf die Uhr. Nach einer langen Mittagspause mache ich weiter und habe am Ende des Tages über acht Stunden produktiv gearbeitet. Nicht zu verwechseln mit acht Stunden am Schreibtisch sitzen oder den acht Stunden, die ich früher als Arbeitnehmer im Büro abgesessen habe.

Geil! Neu! Jetzt auch als Podcast!

2.8.2019

Ich habe wieder mal den AfD-Hack angewendet: Wenn ich ein bestimmtes Ziel nicht erreiche, muss ich 500 Euro an die AfD spenden. Funktioniert immer und sorgt dafür, dass ich seit gut einer Woche wieder täglich an meinem Buch sitze. Bonus-Ironie-Fact: Eine Partei, deren Mitglieder großteils einem verhinderten Künstler nacheifern, sorgt dafür, dass ich kein verhinderter Künstler werde.

3.8.2019

The Black Seeds im Festsaal Kreuzberg. Wie immer bei geilen Konzerten drifte ich ab, hänge meinen Gedanken nach und bin erfüllt von Musik, Kreativität und Visionen, was ich alles machen könnte. Und wie gerne ich Teil der Band wäre und mit dafür sorgen würde, die Menge zu beglücken.

4.8.2019

Nachdem mir in Riga bescheinigt wurde, dass ich ganz gut vorlese, hatte ich die Idee, meine Momentaufnahmen als Podcast zu veröffentlichen. Nach ein paar Stunden Rumeierei mit einem Mikrofon und Audacity habe ich eine ganz passable erste Version fertig und veröffentliche sie. Schon ein paar Minuten später sehe ich meine Fresse auf Spotify. Verrückt, wie einfach das heute alles ist…

5.8.2019

Oh mann. Ein schwarzer Techniktag geht zu Ende. Ich bin froh, dass ich morgens wenigstens geschrieben habe und abends Sport gemacht, sonst wäre dieser Tag völlig für die Katz gewesen.

6.8.2019

Dafür war es heute gut. Morgens am Buch gearbeitet, danach Besprechungen und gute, produktive Arbeit im Bata, abends ein paar Stunden im besten Billardsalon der Welt gespielt. Was willst du mehr?

7.8.2019

Seit zwei Wochen sitze ich wieder morgens jeden Tag mindestens eine Stunde an meinem Buch. Und egal wie viel oder was ich schaffe, ich habe danach für den Rest des Tages das Gefühl, etwas Gutes geschafft zu haben. Es ist so einfach, wenn man sich daran erinnert – und daran hält. Jeden Morgen eine Stunde in das wichtigste Projekt investieren, vor allem anderen.

8.8.2019

Wenn ich eine Sache bereue, und ich versuche ja, nichts zu bereuen, also sagen wir, wenn ich eine Sache bedauere, dann ist es, nicht Berufsmusiker geworden zu sein. Nicht, dass ich da nahe dran gewesen wäre. Meine jahrelangen Versuche auf der Gitarre sind Lichtjahre davon entfernt. Aber immer, wenn ich professionelle Musiker auf der Bühne sehe, dann träume ich davon, einer von ihnen zu sein. Kann man mehr im Moment sein, als wenn man ein Jazzsolo spielt?

9.8.2019

Ich gehe in den Keller, um zu checken, was ich alles dort vergraben habe. Doch mein Kellerverschlag ist leer und es hängt ein neues Vorhängeschloss davor. Hauswart und Hausverwaltung wissen von nichts. Dann wird mir klar: Meine gesamten Steuerunterlagen, Briefe und Fotos vor dem digitalen Zeitalter sind weg. Das, was ich bei der großen Besitzauflösung 2012 noch aus Pflicht oder Sentimentalität behalten habe, ist weg. Bin ich jetzt erleichtert oder erschüttert? Sofort fallen mir ein paar Fotos und Briefe ein, die ich gerne noch einmal angeschaut hätte. Und ich frage mich: Wer klaut so etwas? Verrückte? Identitätsräuber? Und wo sind meine Unterlagen jetzt?

10.8.2019

Wittenberge an der Elbe, direkt zwischen Hamburg und Berlin, ist eine Stadt mit 17.000 Einwohnern und Platz für 40.000. Ein paar schlaue Leute in der Stadt haben sich überlegt, dass sie neue Ideen brauchen, und laden stadtmüde Städter und Digitalarbeiter ein, sich in Wittenberge umzusehen. Wir haben einen tollen Tag in der Stadt. Ich liebe den Zustand verfallener Städte mit alter Industriesubstanz, die Chancen für Neues bieten. Ich komme auf jeden Fall wieder.

11.8.2019

Ein Tag voll mit guten Momenten: Erst nimmt der “Average Pool Player” Rollie Williams sein neuestes Video bei uns im Bata auf, während ich gleichzeitig mit einem unserer liebsten Gäste stundenlang Billard spiele. Abends treffe ich mich mit Sebastian im Biergarten und wir philosophieren vier Stunden über alle möglichen Dinge. Und wieder merke ich: Ich bin ein glücklicher Mann.

12.8.2019

Ich hatte heute morgen einen richtig schlauen Gedanken und habe vergessen, ihn aufzuschreiben. Tja. Bekommt ihr halt stattdessen das hier.

13.8.2019

Normalerweise nehme ich im Eisladen zwei Kugeln, da ich glaube, dass eine Kugel mir zu wenig ist. Heute im Eisladen steht auf dem Schild „eine Portion“ statt „eine Kugel“. Eine Portion fühlt sich für mich total komplett an, sodass ich nur eine Portion nehme anstatt zwei Kugeln, wie sonst. Die Portion ist genau so groß wie eine Kugel. Wenn dieser Eisladen seinen Umsatz erhöhen wollen würde, müsste er einfach die Portion in Kugel umbenennen.

14.8.2019

Es ist witzig: Ich fühle mich heute viel selbstbewusster als früher, und zwar weil ich ein kleineres Ego habe. Klingt nur im ersten Moment paradox: Das kleine Ego sorgt dafür, dass es mir einfach egal ist, was der andere von mir denkt. Dann hält er mich halt für einen Idioten, denkt halt, dass ich mich irre, denkt halt sonst was. Ich stimme der Person einfach freudig zu, drehe mich um und mache weiter mein Ding. Kleines Ego, großes Selbstbewusstsein.

15.8.2019

Mein Buch ist eine Dystopie über Berlin in 20 Jahren. Zu Recherchezwecken lese ich also haufenweise Bücher, in denen es darum geht, was in unserer Welt gerade schief läuft und wie alles den Bach heruntergeht. Das hebt nicht gerade die Stimmung, und ich frage mich, sollte ich mich wirklich mit diesen Themen auseinandersetzen oder sollte ich einfach andere Bücher lesen?