1.9.2019

Ich lache mich schlapp bei “Gewitter im Kopf”, einem Youtube-Kanal von zwei Freunden, von denen einer das Tourette-Syndrom hat. Dieses wird freundschaftlich “Gisela” genannt und ist zum Schreien komisch. Und es ist wirklich toll zu sehen, wie cool die beiden damit umgehen.

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2.9.2019

Fahrradfahren in Berlin ist purer Überlebenskampf. Selbst auf kurzen Strecken muss ich mehrmals auf dem Fahrradweg haltenden Autos ausweichen. Andere Fahrradfahrer oder Fußgänger benehmen sich auch, als wären sie alleine auf der Welt. Und mein Kopf reagiert darauf, sieht überall nur Säbelzahntiger und tödliche Abgründe. Beim nächsten Benz auf dem Fahrradweg halte ich an und klopfe an die Scheibe. Ein netter Typ schaut mich zerknirscht an. „Du stehst auf dem Fahrradweg.“ „Ich weiß, sorry.“ „Fahr mal weg“, sage ich lächelnd, aber ungehalten, „das ist echt kacke. Wir müssen dauernd auf die Straße ausweichen.“ Steige auf und fahre weiter. Und dann denke ich, ging es mir wirklich nur um die Sache oder wollte ich einfach Dampf ablassen? Der Typ wirkte echt nett und macht das sicher nicht dauernd. Am Ende bemerke ich einfach, dass mich die Straße zum Tier macht, und wenn einer meine Gesundheit bedroht, dann knurre ich ihn halt an.

3.9.2019

Ich lese „Die Kunst des guten Lebens“ von Rolf Dobelli und finde diesen klugen Gedanken (neben etlichen anderen): „Das ist die Focusing Illusion. ‚Nichts im Leben ist so wichtig, wie Sie denken, während Sie darüber nachdenken‘, beschreibt der Nobelpreisträger Daniel Kahnemann diesen Effekt.“ Cooles Zitat.

4.9.2019

Eine Woche Auszeit mit zehn netten Menschen in Portugal. Zur Begrüßung lasse ich mich zum ersten Mal rückwärts von einem Tisch fallen und die Gruppe fängt mich auf. Ich habe volles Vertrauen und trotzdem denke ich kurz daran, was wäre, wenn sie mich nicht fangen und ich als Gemüse ende. Dann wäre es einfach vorbei. Merkwürdiger Gedanke, und passiert zum Glück nicht, sodass ich danach einfach mit wackelnden Knien happy bin, dass ich es probiert habe.

5.9.2019

Gerade 24 Stunden in Portugal und schon habe ich völlig abgeschaltet vom Alltag und bin komplett hier. Das Wetter ist die fantastische Mischung aus warmer Sonne und kühler Atlantikbrise, die Natur ist herrlich rau und karg und die Menschen um mich herum sind toll. Ich habe den Gedanken, das immer haben zu wollen, und weiß gleichzeitig genau, dass es dann nicht annähernd so intensiv wäre.

6.9.2019

Erst sind wir Tiere in der Savanne, dann spielen wir Improtheater. Ist ‘ne Weile her, aber macht genau so viel Spaß wie beim letzten Mal. Überhaupt haben wir hier echt viel Spaß und lachen uns regelmäßig kaputt. Super Truppe, super Woche. Und außer für diese Momentaufnahmen darf ich mein Smartphone bis Montag nicht mehr benutzen.

7.9.2019

34 Kilometer in den Beinen, den Sonnenaufgang an der Klippe gesehen, einen Fluss durchwatet, einen falschen Weg gegangen, kilometerlang durch den Sand gestapft. Völlig fertig liege ich auf dem Bett und freue mich auf den Schweigetag morgen.

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Manchmal lohnt es sich, früh aufzustehen.

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8.9.2019

9.9.2019

Bei Douglas Adams lautet die Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens „42“. Ab heute müsste ich also verstehen, worum es hier eigentlich geht. Das Jahr fängt jedenfalls gut an, mit Glückwünschen und Geschenken den ganzen Tag und einer tollen Verkleidungs-Pool-Party am Abend. Mehr denn je wird mir klar, was für ein glücklicher Mann ich bin.

10.9.2019

Bei der abschließenden Komplimente-Dusche bekomme ich so unglaublich tolles und beglückendes Feedback, dass ich mich danach nur noch schwebend fortbewege. Und ich muss an mein jüngeres Ich denken, das oft so verloren war und nicht wusste, was es überhaupt in der Welt soll. Das eigentlich etwas zu sagen hatte, aber sich nicht traute. Ich bin für alle Erfahrungen dankbar, die mich heute bis hierher gebracht haben, und bin gespannt auf alle weiteren.

11.9.2019

Ich sitze am 11. September in einem Flugzeug und muss an den 11.9.2001 denken. Kommt mir nicht so vor, als wäre es 18 Jahre her, aber ist heute schon Geschichte und hat unsere Welt drastisch verändert.

12.9.2019

Beim Blick durch meine Wohnung merke ich, dass ich es kaum erwarten kann, auszuziehen. Nicht, weil ich die Wohnung nicht mehr mögen würde. Sondern weil ich zwar manchmal lange für Entscheidungen brauche, ihre Umsetzung dann aber kaum erwarten kann.

13.9.2019

Ich hadere seit Jahren mit mir, dass ich für meine beruflichen Projekte zu viel selbst mache und zu wenig abgebe und automatisiere. Jeder kleine Schritt des Abgebens fällt mir schwer. Heute frage ich mich: Was, wenn ich einfach beschließen würde, ab heute nichts mehr selbst zu machen, wenn ich mir das Selbermachen quasi verbieten würde?

14.9.2019

Man muss nicht unbedingt reich sein, um ein reiches Leben zu führen. Manchmal reicht es auch, jemanden zu kennen, der ein Hausboot besitzt. Heute startet unsere Woche auf dem Wasser, inkl. Sonnenuntergang und Rotwein direkt auf dem See.

15.9.2019

Ich sitze morgens auf der Terrasse des Hausboots und schreibe an meinem Buch. Dann höre ich hinter mir eine Berliner Schnauze, weiblich: “… und dann mit Laptop, alles klar.” Nicht witzig oder nett im Tonfall, sondern eher, als wollte sie sagen, was ich reicher Sack mir denn erlauben würde. Ich rufe: “Ist daran was falsch?”, doch die Frau im Paddelboot tut so, als gäbe es mich nicht, und quatscht weiter mit ihrem Paddelpartner. Witzig, wie Leute immer nur das sehen, was sie sehen wollen. Ich bin gerade glücklich in meinem Element, sie denkt wahrscheinlich, ich wäre ein karrieregeiler Wessi, der selbst im Urlaub nicht abschalten kann.