1.11.2019

Wenn ich ein Bekleidungsgeschäft in Las Vegas betreiben würde, würde ich es „Gear and clothing in Las Vegas“ nennen.

2.11.2019

Ich habe heute den ganzen Tag nichts Produktives gemacht. Es war herrlich.

3.11.2019

Ich sitze den halben Tag daran, meine Musiksammlung von Google Play zu Spotify zu verschieben. Eine ungeheuer rammdösige Tätigkeit, die mich herrlich entspannt.

 

4.11.2019

Lydia fragt mich, wie es mir geht, und ich erzähle ein bisschen. Nach ein paar Minuten beendet sie meinen Bericht mit den Worten: “Ich will dich mit deinem Leben nicht langweilen.”

5.11.2019

Kann es sein, dass Erfüllung Verzicht bedeutet? Dass Fülle und hohe Qualität in einem Bereich, sei es Beruf, Familie, Kunst, bedeutet, auf Fülle und Qualität in anderen Bereichen zu verzichten? Livecoaches und Marketing wollen uns die Dinge anders verkaufen: “Du kannst alles sein, was du sein willst!”, sagen sie. Klar, aber nicht gleichzeitig. “Gönn Dir”, sagt die Werbung. “Schlank sein ohne Verzicht.” Das ist Bullshit und wir sollten nicht hinhören.

6.11.2019

Aus „4,3,2,1“ von Paul Auster: „… ich bin eine intelligente Pessimistin, soll heißen, eine Pessimistin, die manchmal optimistische Momente hat. Fast alles ist aufs Schlimmste bestellt, aber nicht immer, verstehst du, nichts ist je für immer, aber ich rechne immer mit dem Schlimmsten, und wenn das Schlimmste nicht eintritt, dann bin ich so begeistert, dass ich wie eine Optimistin klinge.“

Das scheint mir eine ziemlich schlaue Einstellung zum Leben zu sein.

7.11.2019

Jahresabschlussessen mit meinem Freund und Geschäftspartner vom Bata. Ich glaube fest daran, dass bei einem Projekt alle gewinnen müssen, damit es ein erfolgreiches und langfristig funktionierendes Projekt wird. Beim Bata scheint uns das gelungen zu sein. Wir verdienen, unsere Mitarbeiter verdienen, unsere Gäste haben Spaß und wir haben Spaß. Ich glaube fest daran, dass es Projekte gibt, bei denen alle gewinnen. Das motiviert mich und das macht mich glücklich.

8.11.2019

Komme um halb zwölf nach Hause, nach Sport und Billard. Und anstatt ins Bett zu gehen, weil ich morgen viel vorhabe, finde ich kein Ende. Kaufe mir ‘ne Tüte Chips im Späti und hänge noch ’ne Stunde dumm vorm Rechner.

9.11.2019

Die Sicherheitsmaßnahmen an der Berliner Gedächtniskirche sind absurd. Es sieht nicht aus wie Weihnachtsmarkt, sondern wie Afghanistan: Der ganze Breitscheidplatz ist von brusthohen Stahlkäfigen umgrenzt, die mit Betonquadern befüllt sind. Der Höhepunkt des Absurden sind die Barrieren an den Zugängen zum Platz: mit Pfosten versehene Hubbel mit dem Aufdruck „Truck Bloc“, was offenbar der Markenname dieser brillanten Erfindung sein soll, um Terroristen aller Welt davon abzuhalten, mit LKWs in Menschen reinzufahren. So wie das Verbot von zu großen Zahnpastatuben in Flugzeugen dafür gesorgt hat, dass keiner mehr in Wolkenkratzer fliegt. Wenig subtil auch der Verleiher der Barrieren, der laut Sticker auf den Dingern sein Angebot unter www.anti-terror-sperren.de präsentiert. Schön, dass aus Terrorhysterie wenigstens ein florierender Wirtschaftszweig entsteht. Diese Barrieren erzeugen in mir nicht das Gefühl größerer Sicherheit, sondern größerer Bedrohung. Das ist genau das, was Terroristen mit ihren beschränkten Mitteln erreichen wollen. Besser wäre es, wir würden Terror einfach ignorieren. Aber das bekommen wir nervlich nicht hin.

10.11.2019

Mein Neffe wird drei. Das Schöne am Umgang mit kleinen Kindern ist auch, dass man selbst wieder mehr spielt und entdeckt. Sechs Erwachsene krabbeln auf dem Boden mit der Brio-Eisenbahn herum und wir lesen von Feuerwehrmännern und der Riesenbirne. Vielleicht ist das Spielen am Morgen der Grund, warum es mich abends an den Rechner zieht, um mal wieder ein paar Stunden am PC zu zocken.

11.11.2019

Firmenfeiern können ja echt scheiße sein. Nicht aber die vorgezogene Weihnachtsfeier mit unserem Team vom Bata. Mit denen macht es einfach Spaß, egal, ob wir beim Escape Game im Schnapsladen (fast) verkacken, Bier in der Tram trinken oder danach fette Pizza in uns reinschaufeln. Die sind einfach toll.

12.11.2019

Wenn ich morgens aufwache, besonders unter der Woche, spüre ich immer Druck. Druck, meine eigenen Projekte voranzubringen. Druck, alle Erledigungen zu schaffen, die anstehen. Druck, die Erwartungen meiner Kunden und Geschäftspartner zu erfüllen. Und Druck, gleichzeitig auch noch ein guter Freund, Sohn, Bruder und Onkel zu sein. Das einzige, was dagegen hilft, ist aufzustehen und irgendwas anzufangen. Dann lässt der Druck nach. Interessanterweise unabhängig davon, wie viel ich schaffe.

13.11.2019

Mann, bin ich froh, wenn der Auszug und die Renovierung über die Bühne gegangen sind. Ich kann mich auf nichts anderes mehr konzentrieren. Aber noch gut eine Woche und die Nummer ist durch.

14.11.2019

Ein Gefühl dafür, wie satt wir sind, bekommt man gut, wenn man versucht, vollkommen intakte, aber gebrauchte Gegenstände zu verkaufen. Kaum jemand interessiert sich für mein Zeug, obwohl es günstig annonciert ist, außer, es ist umsonst. Dann bekomme ich innerhalb von zehn Minuten zwanzig Nachrichten. Wie kann man Reichtum besser definieren, als wenn man Gegenstände nur noch geschenkt nimmt?

15.11.2019

Der Wust meiner Sachen lichtet sich. Und auch wenn ich die ganze Zeit dachte, dass ich zu viel Zeug habe, muss ich feststellen, dass ich meine Besitztümer in gut fünf Jahren doch recht reduziert gehalten habe. Die meisten Dinge sind auch mit keiner Bedeutung behaftet, sondern einfach nur Gebrauchsgegenstände, die ich gebraucht gekauft habe und nach Gebrauch weitergebe. Eat this, Konsumgesellschaft!