16.11.2019

Ich mache meine Wohnung versandfertig und denke an das Hesse-Zitat: „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“. Jedem Ende irgendwie auch.

17.11.2019

Die letzte Nacht in meiner Wohnung. Könnte jetzt nostalgisch werden, mache ich aber nicht. Dafür habe ich schon zu sehr mit der Wohnung abgeschlossen.

18.11.2019

Und zack, nach fünfeinhalb Jahren bin ich wieder wohnungslos. Selbstgewählt natürlich. Und obwohl in den nächsten Tagen noch viel zu tun ist, fängt es schon an, sich gut anzufühlen.

19.11.2019

Auch wenn ich fix und fertig bin: Ich weiß jetzt, wie man Silikonreste von Fliesen entfernt. Und ich finde, der Erfinder des Schmutzradierers sollte irgendeinen Nobelpreis bekommen.

20.11.2019

Wir reden darüber, wie es wäre, sich für eine bestimmte Zeit, zum Beispiel alle drei Monate oder jedes Jahr mit voller Hingabe einem Projekt der Bucket List zu widmen; mit dem gleichen Zeitaufwand, mit dem man einer bezahlten Arbeit nachgehen würde. Setzt natürlich voraus, dass das Geld zum Leben mit wenig Zeitaufwand reinkommt. Aber wie inspirierend wäre das: sich immer wieder neuen Dingen widmen zu können, aber eben nicht oberflächlich, sondern immer zu 100% darin einzutauchen? Das ist eine Vision, die ich mir als Sinn des Lebens vorstellen kann.

21.11.2019

Ich wische noch ein letztes Mal durch die Wohnung und beglückwünsche mich. Vor zwei Wochen noch hat es mir davor gegraut, die ganze Wohnung leerzuräumen und zu renovieren, und jetzt bin ich fertig. Jetzt muss nur noch morgen die Übergabe glatt über die Bühne gehen und dann kann ich mich in aller Ruhe für die nächsten Monate aus Berlin verabschieden.

22.11.2019

Ich bin eigentlich ein großer Fan des Pareto-Prinzips in Bezug auf Aufwand und Ertrag eines Projekts. 20 Prozent Aufwand erzeugt 80 Prozent des Ergebnisses, und das ist dann oft gut genug für den Anfang. Wenn ein Ergebnis aber gleich beim ersten Anlauf perfekt sein muss, muss man auch mal 100 Prozent geben.

23.11.2019

Wir feiern den 18. Geburtstag meines Patensohns. Ich will ihm Bücher schenken, die ich gerne zum 18. bekommen hätte (keines existierte damals) und die ihm auf dem weiteren Lebensweg vielleicht etwas Orientierung geben. Ich entscheide mich für „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ von Harari, weil ich es gut finde, wenn er weiß, wo wir herkommen. Weiterhin „12 Rules for Life“ von Jordan Peterson, weil ich diesen Mann und seine Ratschläge für sehr, sehr gut halte. Zuletzt „Der Distelfink“ von Donna Tartt, weil es einfach ein toller Roman ist mit einem heranwachsenden Mann als Hauptfigur.

Mein Patensohn freut sich.

24.11.2019

Dinge, die mir in den nächsten Monaten nicht fehlen werden: 1. meine alte Wohnung in Moabit, 2. die ganzen Brabbler und Verrückten, 3. Menschen mit Schnauzer und gekleidet in Horst Couture.

25.11.2019

Seit fast acht Jahren lebe ich mehr oder weniger ortsunabhängig, und doch habe ich erst heute zum ersten Mal einen Aufkleber auf meinem Perso mit der Aufschrift: „keine Wohnung in Deutschland“.

26.11.2019

Seit Jahren versuche ich, im Internet passiv Geld zu verdienen. Und endlich knallt es bei einem Projekt mal so richtig (für meine Verhältnisse) und wir machen innerhalb von 48 Stunden über 2000 Euro an Affiliate-Einnahmen.

27.11.2019

Am Falafelstand begegnet mir ein junger Mann mit langen Haaren und Tattoos am Unterarm. Die kann ich sehen, weil er in T-Shirt und barfuß vor mir steht, bei 7 Grad. Er spricht mich an, ob mir nicht warm sei, in meiner Daunenjacke. Ich beiße an und frage ihn, ob ihm nicht kalt sei. Er will reden, wir steigen sofort ins Gespräch ein und sind fünf Minuten später bei Klimaschutz, Gesellschaft, Utopie, Kommunismus. Nach dem Essen verabschieden wir uns und er geht barfuß seiner Wege.

28.11.2019

Kleine Abschiedsrunde im Bata. Nur noch 36 Stunden und ich bin endlich mal wieder on the road.

29.11.2019

Das erste Mal überhaupt sage ich eine Kundenanfrage ab, weil ich mit meinen bestehenden Kunden und anderen Projekten genug zu tun habe. Ich habe in den letzten Wochen verstanden, dass ich keinen Mangel mehr an Kunden habe. Fühlt sich gut an.

30.11.2019

Vor knapp sechs Jahren kam ich nach Berlin zurück, um einen Billardsalon zu eröffnen. Ich bin Berliner und habe die Stadt schon oft verlassen. Doch heute fühlt es sich anders an. Ein Abschnitt geht zu Ende, wenn ich heute nach Thailand reise. Ich kann gar nicht genau sagen, wodurch sich dieser Abschnitt auszeichnet, weil er sich als eine wilde Abfolge von Ereignissen, Eindrücken und Erinnerungen präsentiert. Und doch bin ich ein anderer, als ich es damals war.