1.2.2020

Um sechs Uhr morgens weckt uns die kleine Kirche, die stolz zwischen den Wohntürmen steht. Es scheint ein Wettstreit zu sein: Wenn der Mullah morgens herumbrüllen darf, darf ich bimmeln. Hauptsache, die Leute sind wach und glauben an Gott.

2.2.2020

Wir warten aufs Boarding und lesen. In „I heard you paint houses“ geht es auch um die Kriegserfahrungen von Frank “The Irishman” Sheeran. Bei der Armee zu sein bestünde hauptsächlich aus zwei Dingen: „hurry up and wait“. Beim Fliegen ist es irgendwie das Gleiche.

3.2.2020

Erster Tag auf Koh Phangan. Schön ist: Das Essen ist lecker, die Luft angenehm und alles grün. Eher unschön: Der Kommerz regiert und Thais sehe ich kaum. So ne Art Malle für Hippies also.

4.2.2020

Auf Koh Phangan in der Hochsaison und rund um die Full-Moon-Party (wegen der wir nicht hier sind) eine Unterkunft zu finden, ist die größte Shitshow ever. Was mir am ortsunabhängigen Leben mal gut gefallen hat, war es, antizyklisch zu reisen. Das ist uns hier nicht so richtig gelungen.

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Was für ein Süppchen kochen die sich da?

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5.2.2020

Manche Autofahrer haben ja Kameras, mit denen sie ihre Fahrten aufnehmen, falls es bei einem Unfall zu Streitigkeiten kommt. Das bräuchte man eigentlich auch, wenn man Geschäfte im Internet macht. Wegen eines technischen Fehlers bei Airbnb wird eine meiner Buchungen kostenpflichtig storniert, was mich gut 800 Euro kosten soll. Airbnb behauptet, alles wäre korrekt und ich hätte halt einen teuren Fehler gemacht. Ich kann nichts beweisen. Wenn ich den Fehler aufgezeichnet hätte, könnte ich es belegen. Mist!

6.2.2020

In meinem Roman, der in der nahen Zukunft spielt, sinniert Bundeskanzler Wischnewski von der neurechten “Patriotischen Alternative Deutschland” darüber, wie seine Partei über die Jahre an die Macht gekommen ist. Darüber, wie er schließlich mit der CDU als Steigbügelhalter zum Kanzler gewählt wurde. Und jetzt in echt: Die Wahl von Thomas Kemmerich von der FDP zum Ministerpräsidenten Thüringens unter Zusammenarbeit mit der AfD ist nur ein erstes Tabubrüchlein. Weitere werden kommen, denn Macht korrumpiert. Mein Buch muss dieses Jahr fertig werden, sonst holt die Gegenwart die Zukunft ein.

7.2.2020

Vorgestern habe ich gemeckert, dann will ich heute auch loben. Airbnb hat mir den gesamten Betrag von über 800 Euro erstattet, obwohl ich nicht nachweisen konnte, dass der Fehler bei ihnen lag. Ich wurde die letzten beiden Tage vom Kundenservice echt top betreut und am Ende hat man mir geglaubt und den ganzen Betrag ersetzt. Solche Dinge können also auch gut laufen und manche Großunternehmen denken tatsächlich langfristig.

8.2.2020

Der erste Tag der Woche ohne Termine oder Aufgaben. Ich liege stundenlang auf dem Bett, lese und bin schläfrig.

9.2.2020

Der Tag unterscheidet sich vom gestrigen nur, indem heute Sonntag ist und gestern Samstag war. Mehr rumliegen, mehr lesen, mehr schläfrig sein.

10.2.2020

2012 fand ich es cool, mal hier und mal da zu arbeiten. Zwei Stunden zu Hause, dann ne Stunde im Coffeeshop, dann wieder woanders. Mittlerweile treibt es mich in den Wahnsinn, weil ich das Gefühl habe, nichts zu schaffen.

11.2.2020

Neues Quartier auf Koh Phangan. Wir wohnen in einem kleinen Haus am Hang, direkt im Dschungel in den Hügeln. Vom Balkon gucken wir direkt in die Palmen. Der Weg hierher ist holprig, nicht asphaltiert und steil. Als erstes halte ich in diesem wilden Setup einen Zoomcall mit 80 MBit Internetgeschwindigkeit.

12.2.2020

Endlich ein Lichtblick auf dieser Insel, die mir in der ersten Woche gehörig auf den Sack gegangen ist. Wir finden ein Cafe/Co-Working-Space mit guten Arbeitsplätzen, netten Menschen, einem schönen Ambiente zu echt korrekten Konditionen. Vielleicht bekomme ich in den nächsten Wochen doch noch was geschafft.

13.2.2020

Heute morgen habe ich mich gefragt, auf welche Aufgabe ich richtig Bock habe. Nicht, welche Aufgabe besonders wichtig oder dringend ist. Dann habe ich den ganzen Tag ziemlich konzentriert daran gearbeitet und am Ende des Tages ein echt gutes Ergebnis. Immer planen und diszipliniert sein ist halt auch öde.

14.2.2020

Seit fast drei Jahren arbeite ich an meinem Buch. Ich merke, dass mein Schreibstil besser wird. Die jüngeren Abschnitte gefallen mir besser als die alten. Das ist gut, auch wenn die Überarbeitung der älteren Abschnitte eine Menge Arbeit werden wird.

15.2.2020

Aus „The Power of Habit“ lerne ich: Eine Gewohnheit besteht aus einem Auslöser, einer Routine und einer Belohnung. Wenn man eine schlechte Angewohnheit ändern möchte, muss man alle drei Bestandteile identifizieren und sich dann eine neue Routine suchen, die die gleiche Belohnung erzeugt.

Wo ist das Kommentarfeld?

Habe ich abgeschaltet. Ich habe in zwei Jahren genau acht Kommentare erhalten, scheint also nicht so beliebt zu sein, die Kommentarfunktion. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass aus den Kommentaren direkt auf der Website selten ein Gespräch entsteht, da man nicht mitbekommt, wenn auf den Kommentar geantwortet wurde. Deshalb, wenn Du mir Feedback zu meinen Beiträgen geben willst (worüber ich mich sehr freue), dann schreib mir entweder eine Mail oder teile den Beitrag auf Facebook, Twitter oder sonstwo und markiere mich, damit ich das mitbekomme. Dann können wir uns dort unterhalten, wo sich Leute eben heute unterhalten. Und nicht in meinem verödeten Kommentarbereich. Danke!