16. März 2020

Ich war mir nicht sicher, wie gut ich meine neuen, teuren Kopfhörer finde, da sie erst nicht richtig saßen und die Verbindung zum PC nicht so gut klappt. Doch heute finde ich sie auf einmal nicht mehr und vermute, dass ich sie auf dem Hof habe liegen lassen und einer der Bauarbeiter oder jemand anders sie eingesteckt hat. Was der Person nicht zu verdenken wäre; sie kosten so viel wie der monatliche Mindestlohn auf Bali. Im Moment des Verlusts bedeuten mir die Dinger auf einmal ganz viel. Das perfekte Beispiel für die Idee der Stoiker, sich regelmäßig vorzustellen, man würde die Dinge verlieren, die man liebt. Als die Putzfrauen die Kopfhörer zwei Stunden später in meinem Zimmer finden, freue ich mich riesig. Auf einmal mag ich die Dinger.

17. März 2020

Ein verrückter Tag. Den ganzen Tag sitze ich am Rechner, telefoniere, diskutiere mit Marv, um zu entscheiden: Bali oder Berlin. Die Corona-Krise hat mich jetzt auch voll erwischt. Und ich habe echt keine Ahnung, was ich machen soll. Meine Gedanken gehen von „alle Arten von Katastrophen sind denkbar“ bis hin zu „entspann dich mal, in einem halben Jahr ist alles wieder wie gehabt“.

18. März 2020

Auf Bali stehen überall kleine Opfergaben: kleine, aus Bananenblättern gebastelte Körbchen mit Blüten und anderen Goodies. Meistens liegen die Dinger einfach mitten im Weg auf dem Fußboden, sodass man schnell mal drauf tritt. Als sollten sie eine ständige Achtsamkeitsübung sein, wo man seine Schritte hinsetzt.

19. März 2020

Ein wehmütiger Abschied von Bali. Ich hatte viel vor für die nächsten sechs Wochen in Ubud. Aber nach einer Woche gedanklichem Hin und Her habe ich gestern meinen Rückflug nach Berlin gebucht. Heute Abend geht’s los. Dann buddele ich mich halt in Deutschland in der Wohnung ein und schreib mein Buch zu Ende.

20. März 2020

Wenn man nach einem Langstreckenflug das Flugzeug verlässt, wird man ja immer durch den Luxus der Businessclass geschleust. Ich frage mich, ob das logistische Gründe hat oder Teil der Marketingstrategie ist.

21. März 2020

Nach einer wilden Fahrt mit dem Roller zum Flughafen von Bali, einem.unendlich langen Aufenthalt auf dem Flughafen von Singapur, zweimal hektischem Gerenne und einer Übernachtzugfahrt erreiche ich nach 44 Stunden Berlin. Ein gespenstisches Berlin, was nicht nur am Virus liegt, sondern auch an der Uhrzeit. Die Sonne scheint.

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Am Puls der Zeit.

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22. März 2020

Aufwachen. Schlafen. Aufwachen. Schlafen. Ende.

23. März 2020

Billard mit L. im Bata. Die Kugeln rollen, gute Mucke im Hintergrund, das Rollberg schmeckt. Eigentlich ist alles wie immer, wenn man mal davon absieht, dass wir die einzigen Menschen im Raum sind.

24. März 2020

Ich bin müde und unwillig, weil ich seit drei Wochen nirgendwo ankomme und meine täglichen Routinen völlig im Eimer sind. Die Stoiker würden mir empfehlen, mir vorzustellen, wie es noch schlimmer kommen könnte. Widerwillig nehme ich hin, dass es mir nach diesem Gedanken besser geht.

25. März 2020

Und plötzlich ist das Brummen wieder da.

26. März 2020

Im leeren, kalten, dunklen Bata. Normalerweise wäre der Laden jetzt voll, würde laut Musik gespielt, hätten Menschen Spaß. Das ist einfach nicht cool.

27. März 2020

Seit Wochen habe ich keine Routinen. Ich könnte zwar alles genau so machen wie sonst, Sport, Buch schreiben, gesund essen. Doch alles kostet doppelt so viel Energie und Willenskraft, wenn es nicht in eine Routine eingebettet ist.

28. März 2020

Wir leihen uns auf die Schnelle einen Mietwagen und fahren 400 km, um uns Homberg (Efze) anzugucken, die nächste Station des Summer of Pioneers, einem Projekt, bei dem Stadtmenschen aufs Land ziehen. Corona-bedingt ist die Stadt wie ausgestorben, aber trotzdem schön da.

29. März 2020

Gestern erzählt Jan Böhmermann im Podcast, dass er seit Wochen nichts schafft und dauernd müde ist. Geht mir genau so. Ich freue mich auf geordnetere Zeiten.

30. März 2020

Mir fällt die Zeile ein: „Ich applaudiere mit meinem Mittelfinger.“ Sie gefällt mir so gut, dass ich sie auf diesem Weg mit dir teile.

31. März 2020

Über Behörden motzen ist ja immer leicht (und oft auch angemessen). Aber die Geschwindigkeit, mit der die Corona-Unterstützung ausgezahlt wird, ist schon beeindruckend. Vorgestern beantragt, heute auf dem Konto.

Wo ist das Kommentarfeld?

Habe ich abgeschaltet. Ich habe in zwei Jahren genau acht Kommentare erhalten, scheint also nicht so beliebt zu sein, die Kommentarfunktion. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass aus den Kommentaren direkt auf der Website selten ein Gespräch entsteht, da man nicht mitbekommt, wenn auf den Kommentar geantwortet wurde. Deshalb, wenn Du mir Feedback zu meinen Beiträgen geben willst (worüber ich mich sehr freue), dann schreib mir entweder eine Mail oder teile den Beitrag auf Facebook, Twitter oder sonstwo und markiere mich, damit ich das mitbekomme. Dann können wir uns dort unterhalten, wo sich Leute eben heute unterhalten. Und nicht in meinem verödeten Kommentarbereich. Danke!