1. April 2020

Nach über einem Monat Vagabundendasein zeichnet sich jetzt für die nächsten Monate etwas Stabilität ab. Die nächsten zwei Monate kann ich in der Wohnung eines Freundes wohnen, danach geht es für fünf Monate zum Summer of Pioneers nach Homberg.

2. April 2020

Ich fahre von Berlin nach Potsdam und zurück. Die Straßen sind recht leer, aber nicht ausgestorben, Bahnhöfe und Bahnen ebenso. Könnte von mir aus öfters so sein, aber dann unter netteren Umständen.

3. April 2020

Freitag Abend im Bata mit L. Normalerweise haben wir 80 Leute hier, es ist laut, alle Tische belegt. Heute gähnende Leere, die Mucke kommt blechern aus der Bluetoothbox. Die Kohle, die wir hier täglich verlieren, ist mir fast egal. Aber der Anblick des leeren Bata ist einfach nicht richtig.

4. April 2020

Wenn ich wenig unterwegs bin, fällt es mir schwerer als sonst, täglich mit einer interessanten Momentaufnahme aufzuwarten. Aktuell jeden Tag zu Hause zu hängen und nichts draußen zu erleben, gibt dieser Herausforderung eine neue Dimension.

5. April 2020

Ich habe keinen Bock mehr auf diese Scheiße.

6. April 2020

„Halten Sie durch“ ist das „Schönen Tag noch“ von 2020.

7. April 2020

Erster Tag im Exil in Potsdam. Mein Zimmer ist klein und zweckmäßig und ich habe alles, was ich brauche. Perfekt, um ein paar Wochen konzentriert zu arbeiten, während draußen vielleicht sogar wieder Normalität einkehrt (vielleicht eher eine neue Normalität).

8. April 2020

Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass es Monate her ist, oder daran, dass das Wasser hier direkt aus dem kalten Erdboden in die Dusche kommt. Ich dusche kalt und habe das Gefühl, schockgefroren zu werden. Wim Hof sagt, man solle es nicht erzwingen, die Kälte auszuhalten, sondern sie voller Energie und Freude begrüßen. Das mache ich und erlebe einen fast halluzinogen Zustand.

9. April 2020

Ich fahre mit dem Fahrrad zum Fahrradladen, gebe mein Rad ab und laufe ein Stück durch die Stadt. Die Sonne scheint. Mann, Potsdam ist verdammt schön!

10. April 2020

Schon wieder inspiriert von meiner hundskalten Dusche. Es gibt zwei Wege, mit unkomfortablen Dingen umzugehen.1. Unwillig sein, sich wünschen, es wäre anders, darüber seine Energie verlieren und alles scheiße finden. 2. Das Unangenehme nicht nur aushalten, sondern es sogar feiern, genießen, sich an der eigenen Widerstandsfähigkeit begeistern. Ganz praktisch bedeutete das heute, eine Art Kriegstanz unter der eiskalten Dusche aufzuführen und voller Power in den Tag zu starten.

11. April 2020

Wir gucken die letzten drei Folgen „Tiger King“ auf Netflix. Während der ganzen Serie war ich eigentlich nur belustigt und dachte „alle verrückt“. Joe Exotic am meisten. Aber am Ende tut er mir einfach nur Leid. Und ganz Amerika gleich mit, dafür, dass es so viel Wahnsinn und Schmerz hervorbringt.

12. April 2020

Ich denke an ein Osterfest vor elf Jahren und erinnere mich an den Ausspruch: „Man überschätzt, was man in einer Woche schaffen kann, und man unterschätzt, was man in einem Jahr schaffen kann.“ Mein Leben hat sich seit besagtem Osterfest vor elf Jahren sehr verändert. Daran will ich mich erinnern, wenn ich nächsten Freitag das Gefühl habe, nichts geschafft zu haben.

13. April 2020

Ich sortiere zwei Stunden meine Musiksammlung. Das wollte ich schon ewig machen und es macht mich glücklich, auch wenn ich den Unterschied zu vorher vermutlich nicht merken werde.

14. April 2020

Was die meisten Verschwörungstheorien meiner Meinung nach sofort entlarvt, ist nicht, dass um ein, zwei vorstellbare oder sogar belegte Umstände herum ein Netz aus Schwachsinn geknüpft wird. Sondern, dass diese Theorien immer davon ausgehen, dass ein relativ kleiner Kreis brillanter, böser Menschen den Rest der Menschheit manipuliert, sich nach ihrem Willen zu verhalten. Geplant und perfekt ausgeführt. Wer schon mal versucht hat, eine Gruppe von mehr als zehn Leuten zu gemeinsamem Handeln zu koordinieren, muss wissen, was für ein Blödsinn das ist.

15. April 2020

Ich hole mein Fahrrad aus der Werkstatt ab. Die neue Schaltung flutscht, die Sonne scheint und ich flitze durch Potsdam. Eigentlich alles ganz gut im Leben.

Wo ist das Kommentarfeld?

Habe ich abgeschaltet. Ich habe in zwei Jahren genau acht Kommentare erhalten, scheint also nicht so beliebt zu sein, die Kommentarfunktion. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass aus den Kommentaren direkt auf der Website selten ein Gespräch entsteht, da man nicht mitbekommt, wenn auf den Kommentar geantwortet wurde. Deshalb, wenn Du mir Feedback zu meinen Beiträgen geben willst (worüber ich mich sehr freue), dann schreib mir entweder eine Mail oder teile den Beitrag auf Facebook, Twitter oder sonstwo und markiere mich, damit ich das mitbekomme. Dann können wir uns dort unterhalten, wo sich Leute eben heute unterhalten. Und nicht in meinem verödeten Kommentarbereich. Danke!