16. April 2020

Meine zweite Woche in der Provinz von Potsdam-Golm. Es gibt für mich als Stadtkind keinen besseren Zeitpunkt, abseits zu leben, da in der Stadt gerade alles wegfällt, was sie lebenswert macht. Der Wald hingegen hat nie zu.

17. April 2020

Wenn man sich den globalen Wohlstand und die daraus resultierende materielle Sorglosigkeit anschaut, sind wir in der westlichen Welt ganz oben mit dabei. Das ist für mich der Hauptgrund, warum Deutschland sich mit Innovation und Veränderung so schwertut. Veränderung kann für die reichste Person im Raum eigentlich immer nur heißen, abzugeben. Und wer will das schon? Philipp Blom bringt das in „Was auf dem Spiel steht“ gut auf den Punkt: „Die reichen, demokratischen Länder … sind in ein reaktionäres Zeitalter abgerutscht. Ihr schönstes Gefühl ist die Nostalgie. Sie wollen keine Zukunft. Zukunft ist Veränderung, und Veränderung ist Verschlechterung. … Die Menschen in der reichen Welt wollen nur, dass die Gegenwart nie endet.“

18. April 2020

Wir zocken gegeneinander Mario Kart in 3D auf unseren Smartphones. Mein Telefon hat die Rechenpower meines Computers vor zehn Jahren. Was wird die Zukunft bringen?

19. April 2020

Es gab mal eine Zeit, in der es für mich völlig selbstverständlich war, mein Handy mal nicht mit aus dem Haus zu nehmen. Heute lasse ich mein Handy für zehn Minuten zu Hause, greife mir dabei dreimal in die Hosentasche und erschrecke mich, weil ich glaube, dass ich mein Handy verloren habe.

20. April 2020

Bald machen die Läden wieder auf. Ich warte schon auf die Medienberichte, die vom großen Andrang in den Geschäften berichten. Halb Deutschland ist auf Cold Turkey.

21. April 2020

Gestern noch groß angekündigt, gestern Abend dann die traurige Nachricht: Der Summer of Pioneers in Homberg wird auf nächstes Jahr verschoben. Erst bin ich enttäuscht, dann verärgert, dann merke ich: Mein Ärger kommt hauptsächlich daher, dass ich nicht bekomme, was ich will. Doch daran muss man sich dieses Jahr gewöhnen. Statt mich zu ärgern, will ich mich also an den Dingen freuen, die ich habe, und einfach neue Pläne für den Sommer machen.

22. April 2020

Je nachdem, ob ich gerade die neueste Aussage von Dr. Drosten durchlese oder den Newsletter der IHK, bin ich dagegen oder dafür, die Beschränkungen zu lockern und zur Normalität zurückzukehren. Fazit: Ich habe einfach keinen blassen Schimmer, und Einfluss darauf habe ich auch nicht. Also mache ich einfach alles mit und das Beste daraus.

23. April 2020

Laut einer neuen Studie geben deutsche Autobesitzer im Schnitt gut 400 Euro im Monat für ihr Auto aus. An die Zahl werde ich das nächste Mal denken, wenn jemand 100 Euro fürs Fitnessstudio oder 500 Euro für ein Coachingseminar „teuer“ findet.

24. April 2020

Mir kam gerade der Gedanke, dass ich viel mehr Geschichtsbücher lesen will. Da steckt so viel drin. Einerseits Erkenntnis über uns und die Welt, andererseits Inspiration für eigene Geschichten.

25. April 2020

Im Roman „Ready Player One“ spielt sich die meiste Handlung in virtuellen Welten ab, in die die meisten Erdenbewohner abtauchen, um der Offline-Realität zu entkommen. Heute, auf meiner ersten Online-Konferenz merkt man den Unterschied zur echten Welt zwar noch deutlich, aber ich bekomme eine Idee, was in den nächsten Jahren alles passieren wird.

26. April 2020

Kurztrip nach Görlitz, der angeblich schönsten Stadt Deutschlands. Wir laufen tatsächlich staunend durch die Stadt. Es fällt der Satz: „Ich habe noch nicht eine hässliche Straße gesehen.“ Und es ist nicht nur schön, sondern hat ausreichend Subkultur, um nicht spießig zu wirken. Dresden, Prag und Breslau sind gleich nebenan. Die Mieten sind schweinegünstig und es gibt genug Freiraum, Kaputtes und Unfertiges, um die Ideen sprießen zu lassen.

27. April 2020

Wieder einer dieser Tage, an denen ich grumpy und unwillig aufwache und erst zwei Stunden später als geplant aus dem Bett komme. Ich lerne immer besser, mich dafür nicht zu verteufeln, sondern einfach später ein paar gute Dinge zu schaffen. Vielleicht nicht so viele wie geplant, aber besser als nichts, weil ich den ganzen Tag mies drauf bin. Accept, accept, accept.

28. April 2020

Zweiter Tag mit Maskenpflicht. Mir kommt ein alberner Gedanke. Neben dem Offensichtlichen, nämlich Masken, dürften Mittel gegen Mundgeruch im Handel gerade durch die Decke gehen.

29. April 2020

Wenn man mir in meiner Kindheit gesagt hätte, dass ich mal wie ein Wildwest-Bankräuber mit Tuch vorm Mund im Laden herumlaufen darf, ich hätte das so gefeiert.

30. April 2020

Ich starte den Tag wieder golden mit einer halben Stunde Facebook. Danach fühlt sich mein Gehirn wie weichgespült an und meine Grundstimmung ist „mmmpf“. Wie schaffe ich es, die 10% bereichernder Interaktion und Information aus 20% Blabla, 30% Werbung und 40% Bullshit herauszufiltern? Gerade fällt mir ein: Ich war letztes Jahr mal drei Wochen offline und hatte nach drei Tagen vergessen, dass es Facebook gibt.

Wo ist das Kommentarfeld?

Habe ich abgeschaltet. Ich habe in zwei Jahren genau acht Kommentare erhalten, scheint also nicht so beliebt zu sein, die Kommentarfunktion. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass aus den Kommentaren direkt auf der Website selten ein Gespräch entsteht, da man nicht mitbekommt, wenn auf den Kommentar geantwortet wurde. Deshalb, wenn Du mir Feedback zu meinen Beiträgen geben willst (worüber ich mich sehr freue), dann schreib mir entweder eine Mail oder teile den Beitrag auf Facebook, Twitter oder sonstwo und markiere mich, damit ich das mitbekomme. Dann können wir uns dort unterhalten, wo sich Leute eben heute unterhalten. Und nicht in meinem verödeten Kommentarbereich. Danke!