1. Mai 2020

Als ich noch Haare auf dem Kopf hatte, hat es mich immer genervt, wenn mir die Mütze die Frisur verkrumpelt hat. Ohne Haare hatte ich das Problem nicht mehr und dachte nicht, dass ich es je wieder haben würde. Und jetzt kommt die Maske und verkrumpelt mir den Bart.


2. Mai 2020

Die Kassiererin gibt uns die Beute, die wir hastig in die mitgebrachten Taschen stopfen. Wir sind maskiert. Einkaufen 2020 fühlt sich an wie ein Banküberfall.

3. Mai 2020

Im Film „American Animals“ planen vier unbedarfte Studenten den Raub eines kostbaren Buches aus ihrer Unibibliothek. Sie sind Amateure und alles geht furchtbar schief. Und doch war ihre Neugier zu groß, was passieren würde, wenn sie die Linie zwischen einer verrückten Idee und deren tatsächlichen Ausführung überschreiten würden. Wer kennt diese Neugier nicht? Was, wenn ich jetzt etwas radikal anders machen würde?

4. Mai 2020

Mit 21 bin ich bei meiner Mutter ausgezogen. Heute, ein halbes Leben später, melde ich mich wieder dort an. Gleiche Wohnung, gleiche Adresse.

5. Mai 2020

Ich glaube, ein Grund, warum jetzt alle möglichen Leute meinen, sich wegen Bill Gates in den Untergrund begeben zu müssen, ist, dass wir alle mit zu viel Hollywood aufgewachsen sind. Alle naselang muss da Otto Normalverbraucher mit seiner Heckenschere die Welt retten. Da denkt natürlich jetzt auch jeder zweite Clown, dass seine Stunde gekommen sei.

6. Mai 2020

Komische Woche, null Bock heute auf gar nichts. Dafür fühle ich mich erst mal ein paar Stunden schlecht, bis ich aufgebe und mich nachmittags hinlege. Vielleicht kann ich ja ab sofort einführen, gar nicht mehr arbeiten zu müssen, sondern nur noch zu wollen. Ich hoffe, dass ich dann auch ohne Druck Dinge geregelt kriege. Vielleicht sogar mehr.

7. Mai 2020

In Görlitz Wohnungen besichtigen. Wir erfahren den Unterschied zwischen Käufer- und Verkäufermarkt. Wir drängeln uns nicht mit 20 Konkurrenten in den Wohnungen und werden behandelt wie Kunden, nicht wie erbärmliche Bittsteller. Das ist für mich echte Ortsunabhängigkeit: Wenn alle nach Berlin wollen, gehen wir halt woanders hin.

8. Mai 2020

Nach zwei Tagen haben wir mindestens 4 oder 5 gute, bezahlbare Wohnungen gefunden, die alle ein oder zwei echte Highlights haben: toller Boden, Riesenterrasse, günstige Miete etc. Wir sind bald so verwöhnt, dass wir Gefahr laufen, die Highlights einer Wohnung bei den anderen Wohnungen zu vermissen und so an jeder Wohnung ein Haar in der Suppe zu finden. So schnell steigen die Ansprüche.

9. Mai 2020

Einen ganzen Tag rumhängen und nichts tun macht ganz schön müde.

10. Mai 2020

Ich checke die Dokumente und Texte hundertmal, finde jedes Mal noch einen kleinen Fehler und schicke das Formular dann doch endlich ab. Mein erster Wettbewerb als Autor. Ob ich gewinne oder nicht, ist mir eigentlich ziemlich egal. Ich will nur gerne wissen, wo ich stehe.

11. Mai 2020

Ein Grundkonzept des online Geld Verdienens ist, erst Menschen zu erreichen („Reichweite zu erzeugen“) und dann zu überlegen, was man diesen Menschen anbieten kann. Also im Prinzip so, als würde der Bauer auf dem Markt erst Kohl anpreisen und danach, bei ausreichendem Interesse, sein Feld bestellen. Und obwohl das online sehr gut funktioniert, wird mir gerade bewusst, wie zuwider mir das eigentlich ist. Ich möchte viel lieber produzieren, produzieren, produzieren. Und vielleicht will das dann ja irgendwann jemand haben.

12. Mai 2020

Seit Wochen schleppe ich mich morgens durch mein Buch. Halte alles für Stückwerk, sehe einen Berg vor Arbeit vor mir und zweifle, ob ich dem gewachsen bin. Heute sehe ich zum ersten Mal wieder einen großen Zusammenhang, fügen sich Teile zu einem sinnvollen Ganzen. Und ich denke endlich mal wieder, dass es das ist, was ich machen will.

13. Mai 2020

Der Gedanke ist sicher nicht neu, aber traf mich heute trotzdem wie aus heiterem Himmel. In der Grundschule, vielleicht mit zehn, habe ich im Schultheater gespielt und hatte eine Riesenfreude daran. Auf dem Gymnasium, mit dreizehn, kam mir nicht einmal mehr die Idee, das fortzusetzen. Es ging nicht mehr darum, ob ich es gerne tue, sondern erstens, ob ich es gut kann, und zweitens, ob es cool genug oder mit den richtigen Leuten zusammen passiert. Das war das Ende meiner Zeit auf einer Bühne. Und erst 30 Jahre später merke ich, dass ich eigentlich ganz gerne auf Bühnen stehe.

14. Mai 2020

Irgendwie eine unproduktive Woche, so fühlt es sich jedenfalls an. Es ist Donnerstag Abend und ich frage mich, wo die Woche geblieben ist. Wenigstens morgen gebe ich noch mal Gas.

15. Mai 2020

Das Geile am Schreiben ist, dass man aus einer unendlichen Ressource schöpft. Es gibt immer genug Wörter, die man in unendlichen Kombinationen aufschreiben kann. Es kann sein, dass das Geschriebene dann langweilig oder sinnlos ist, aber trotzdem, Wörter gibt es immer genug.

Wo ist das Kommentarfeld?

Habe ich abgeschaltet. Ich habe in zwei Jahren genau acht Kommentare erhalten, scheint also nicht so beliebt zu sein, die Kommentarfunktion. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass aus den Kommentaren direkt auf der Website selten ein Gespräch entsteht, da man nicht mitbekommt, wenn auf den Kommentar geantwortet wurde. Deshalb, wenn Du mir Feedback zu meinen Beiträgen geben willst (worüber ich mich sehr freue), dann schreib mir entweder eine Mail oder teile den Beitrag auf Facebook, Twitter oder sonstwo und markiere mich, damit ich das mitbekomme. Dann können wir uns dort unterhalten, wo sich Leute eben heute unterhalten. Und nicht in meinem verödeten Kommentarbereich. Danke!