16. Juli 2020

„Wegen Corona“ ist in vielen Fällen der tatsächliche Grund dafür, dass Dinge gerade anders laufen. Aber immer häufiger auch eine bequeme Allzweckausrede, beispielsweise bei der Frage nach pauschalen Rabatten.

17. Juli 2020

Frühstückseinkauf in Berlin Lichterfelde-West. Vor dem Bahnhof hält ein schwarzer Pickup der Marke Dodge RAM. Er ist so groß wie ein Kampfpanzer. Eine zierliche Frau steigt aus, um ihre Einkäufe zu machen. Ich verspüre den Impuls, sie zu fragen, was in Dreiteufelsnamen sie dazu bringt, ein solches Monster ernsthaft als Fortbewegungsmittel zu nutzen. Nicht im Irak 2003, sondern Freitagvormittag in der Bonzenidylle von Rand-Berlin.

18. Juli 2020

Sommertreffen des Citizen Circles in Berlin, Köln und Ljubljana. Linda erzählt von ihren Projekten und wie sie es schafft, als viel interessierte „Scanner“-Persönlichkeit trotzdem voranzukommen. Was ich daraus für mich mitnehme: Sequentiell Fokus auf ein Projekt legen, was ich dann aber nicht für den Rest meines Lebens machen muss, und auslagern, worauf ich keine Lust habe oder wo die Arbeit zu viel ist.

19. Juli 2020

Seit zwei Jahren schreibe ich die Momentaufnahmen. Ich müsste mal nachzählen, wie viele Wörter insgesamt schon entstanden sind. Vielleicht habe ich ein ganzes Buch geschrieben, ohne es zu merken.

20. Juli 2020

Ich komme immer noch nicht ganz darüber hinweg, dass ich zum Sport mit dem Fahrrad in ein anderes Land fahre. Vor allem zeigt es mir, wie banal und menschengemacht Grenzen sind, deren Nichtbeachtung gleichzeitig oft sehr gefährlich ist.

21. Juli 2020

Ob Amazon sich darüber im Klaren ist, dass es Menschen gibt, die sowohl Kunde als auch Händler bei Amazon sind? Als Kunde ist der Service wirklich top, man wird schnell bedient und bekommt insgesamt das Gefühl, wichtig zu sein. Als Händler wird man hingegen behandelt wie der letzte Arsch. Was ist denn jetzt das wahre Amazon, Jeff?

22. Juli 2020

Ich lese ein Buch über sogenannte „Scanner“-Persönlichkeiten: Menschen, die sich für alles Mögliche interessieren, außer dafür, Spezialist zu sein. So jemand zu sein ist spannend und unterhaltsam, und ich will nicht mehr tauschen, aber einfach ist es auch nicht. Das Buch macht Mut, sich als Scanner zu akzeptieren und sich das Leben so zu bauen, wie es passt.

23. Juli 2020

Es gibt zwei Dinge an uns, die die Leute hier in Görlitz nicht verstehen: 1. Warum wir VON Berlin NACH Görlitz gezogen sind. 2. Warum wir es total feiern, dass wir ihre alten DDR-Möbel für ’n Appel und ’n Ei abholen dürfen.

24. Juli 2020

Ich gehe durch den Supermarkt, lege Artikel von der gemeinsamen, digitalen Einkaufsliste in den Wagen. Während ich das tue, poppen neue Artikel auf die Liste. Jetzt weiß ich, wie sich Sisyphus gefühlt hat.

25. Juli 2020

Wir warten auf den Film „Parasite“ im Freilichtkino. Hunderte gierige Mücken bieten das zum Titel passende Rahmenprogramm, sodass wir uns zur Flucht entschließen. Zum Glück gibt es den Eintritt zurück.

26. Juli 2020

Seit Jahrzehnten sehe ich Werbeplakate und Anzeigen für alle möglichen Themen rund um Karriere und Ausbildung, auf denen die jugendlichen Fotomodelle gezwungen wurden, enthusiastisch in die Luft zu springen. Das soll vermutlich die Begeisterung ausdrücken, die sie aufgrund ihrer natürlich sehr guten Karriereentscheidung verspüren. Ich finde, das könnte von der Realität nicht weiter entfernt sein. Die meisten jungen Leute sind unsicher und rätseln, was es jetzt wohl werden soll. Das könnte man im Marketing mal aufgreifen. Oder gibt es Studien dazu, dass diese Werbung am besten funktioniert, so wie bekloppte Werbung für Waschmittel, die seit 150 Jahren immer weißer waschen? Die hopsenden Jugendlichen jedenfalls kann jeder normale Jugendliche nur bescheuert finden.

27. Juli 2020

Der Gebraucht-Schnäppchen-König von Görlitz hat wieder zugeschlagen. Ein schöner Wohnzimmerschrank aus den Hellerau-Werkstätten für umme und ein edler Liegesessel aus Leder für einen Bruchteil des Kaufpreises machen meine Schreiber- und Denkerzelle komplett.

28. Juli 2020

Ich bin mir nicht sicher, ob die Welt täglich verrückter, hysterischer und aggressiver wird oder ob das durch die sozialen Medien nur so aussieht.

29. Juli 2020

Ich kotze ab, wie Amazon mit uns als Händlern umgeht (und sicher mit vielen anderen Partnern und Angestellten auch), aber das mit den Kunden haben sie verstanden: „… Kunden sind immer herrlich, wunderbar unzufrieden, auch wenn sie angeben, glücklich zu sein und das Geschäft großartig läuft. Selbst wenn sie es noch nicht wissen, wollen Kunden etwas Besseres, und der ständige Wunsch, Kunden zu erfreuen, treibt uns an, ständig für sie Neues zu erfinden. Indem wir uns wie besessen auf die Kunden konzentrieren, werden wir intern angetrieben, unsere Dienstleistungen zu verbessern, Vorteile und Funktionen hinzuzufügen, neue Produkte zu erfinden, Preise zu senken und die Lieferzeiten zu verkürzen – bevor wir es tun müssen. Kein Kunde hat Amazon jemals darum gebeten, das Prime-Mitgliedschaftsprogramm ins Leben zu rufen, aber es stellte sich heraus, dass sie es wollten. … Nicht jedes Unternehmen verfolgt diesen Ansatz „Kunde zuerst“, aber wir tun es, und das ist unsere größte Stärke.“ (Jeff Bezos, Übersetzung von DeepL und mir)

30. Juli 2020

Heute beginnt ein verlängertes Wochenende mit liebem Besuch aus dem Citizen Circle. Ich freue mich total, meine Freunde wiederzusehen und ihnen Görlitz vorzuführen. Ich bin gespannt, ob der kleine, feine Funke überspringt.

31. Juli 2020

Abends sitzen wir auf dem Balkon und ich sehe Sternschnuppen. Apropos: Wie nennt man es, wenn Planeten erkältet sind? (Ja, ich weiß, dass Planeten keine Sterne sind.)

Wo ist das Kommentarfeld?

Habe ich abgeschaltet. Ich habe in zwei Jahren genau acht Kommentare erhalten, scheint also nicht so beliebt zu sein, die Kommentarfunktion. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass aus den Kommentaren direkt auf der Website selten ein Gespräch entsteht, da man nicht mitbekommt, wenn auf den Kommentar geantwortet wurde. Deshalb, wenn Du mir Feedback zu meinen Beiträgen geben willst (worüber ich mich sehr freue), dann schreib mir entweder eine Mail oder teile den Beitrag auf Facebook, Twitter oder sonstwo und markiere mich, damit ich das mitbekomme. Dann können wir uns dort unterhalten, wo sich Leute eben heute unterhalten. Und nicht in meinem verödeten Kommentarbereich. Danke!