1. Mai 2021

Ich habe für nächste Woche einen Termin für eine Impfung mit AstraZeneca. Und obwohl ich weiß, dass es unwahrscheinlich ist, spukt mir die schlechte Presse des Stoffs im Kopf herum. Dann erinnere ich mich an einen Vortrag bei der Langen Nacht der Wissenschaften über das Konzept des Mikromort. Ein Mikromort ist die Chance von 1:1.000.000, an einer bestimmten Ursache zu sterben. Die Besteigung des Mount Everest beispielsweise hat 35.000 Mikromort: von 1000 Leuten sterben dabei 35. Die Impfung mit AstraZeneca hat 3 Mikromort. Das ist deutlich weniger als eine Infektion mit Corona und etwa so viel wie: 3x 0,5l Wein trinken, 4 Zigaretten rauchen oder ca. 50 km mit dem Fahrrad fahren (und an einem Unfall zu sterben). Und das nicht täglich, sondern einmalig. Ich gehe am Mittwoch zur Impfung.

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2. Mai 2021

Ich lese den halben Tag, bis ich das Buch durch habe (City of Girls, echt zu empfehlen). Wenn ich ein Buch über Stunden am Stück lese und in der Geschichte auch noch eine ganze Lebensgeschichte erzählt wird, habe ich am Ende immer das Gefühl, mich von Freunden zu verabschieden.

3. Mai 2021

Mega-guter TED-Talk von Elizabeth Gilbert über Kreativität und den Umgang mit der Angst. Sie schafft es, den Druck aus dem kreativen Prozess zu nehmen, ohne zu behaupten, dass es ohne Arbeit ginge.

4. Mai 2021

Die letzten Tage arbeite ich wieder ganz schön viel. Aber gut, ich habe kaum Termine, kann mir die Zeit frei einteilen und habe lange Phasen konzentrierter Arbeit. So macht mir das Spaß.

5. Mai 2021

So, erste Impfung mit AstraZeneca ist in meinem zarten Ärmchen. Jetzt sitze ich da und warte auf die Nebenwirkungen.

6. Mai 2021

Tja, da sind sie. Wir liegen den ganzen Tag flach, mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. Aber ist ja für ’nen guten Zweck.

7. Mai 2021

Ich wäre ja gerne größer auf Twitter. Aber wenn ich auf Twitter poste, komme ich mir immer so vor, als würde ich mich auf dem Schulhof zu den coolen Kids stellen, versuchen einen Witz zu machen, und alle reden weiter und tun so, als wäre ich gar nicht da.

8. Mai 2021

Es ist immer wieder schön, neue Besucher durch Görlitz zu führen. Obwohl wir recht neu hier sind, fühlt es sich an wie „unsere Stadt“.

9. Mai 2021

Kryptowährungen sind völlig verrückt. Vor drei Jahren habe ich ein bisschen was investiert, was sich in den folgenden zwei Jahren dann auf ein Fünftel des Wertes reduziert hat. Nur, um dann innerhalb der letzten zwölf Monate zu verzehnfachen, sodass ich jetzt doppelt so viel habe wie vor drei Jahren. Keine schlechte Rendite eigentlich, aber auch crazy.

10. Mai 2021

„Herr Baumann, Sie haben mich überzeugt“, sagt der Mann, geht zu seiner Ladentür und nimmt das Gedicht ab, das mich vor zwei Wochen noch so verärgert hat. Ich fange fast an zu heulen vor Glück. Das Gedicht zog übel über alle möglichen Menschen her, Geflüchtete, Politiker, Grüne, Presse. Das Ganze aus „Sorge um Deutschland“. Es passte so gar nicht zu diesem freundlichen, älteren Herrn, also habe ich ihn darauf angesprochen. Nein, das habe ein Kunde mitgebracht, er meine das alles gar nicht so, es solle vielmehr Anregung zur Diskussion sein. Ich erkläre ihm freundlich und in Ruhe, dass das viel zu pauschal sei, dass es Menschen verletze, einfach nichts zu einer Verbesserung der Umstände beiträgt und auch nicht zur Diskussion. Wir diskutieren ein paar Minuten, bleiben freundlich, versuchen, den anderen zu verstehen, sind uns sympathisch. Am Ende überrascht er mich damit, dass er das Gedicht wirklich abnimmt. Es hängt jetzt nicht mehr da. Kann keinen mehr beleidigen, der sich davon angesprochen fühlt. Leute, so geht es! Lasst uns den anderen immer als Mensch sehen. Dann können solche Wunder geschehen.

11. Mai 2021

Ach, ich liebe solche Tage, an denen ich einfach den ganzen Tag am Rechner sitze und vor mich hin schrubbe. Nichts für sexy Posts auf Instagram, aber am Ende des Tages richtig was geschafft.

12. Mai 2021

Lydia und ich unterhalten uns über „Im Grunde gut“ und über mein Erlebnis von vorgestern. Kurz darauf kommt von ihr eine Mail mit einem weiteren Beispiel, wo eine Sache gut ausgegangen ist, weil sie dem anderen als Mensch begegnet ist und nicht als Gegner. Nochmal: Lest alle dieses Buch. Und seht immer – immer – den Menschen im Anderen.

13. Mai 2021

Normal wäre heute, sich mit den Jungs die Hucke vollzusaufen. Ich arbeite lieber.

14. Mai 2021

Abends sitzen wir zusammen mit Mutti auf der Couch und schauen live Billard auf DAZN. Auch ein schöner Freitagabend.

15. Mai 2021

Wir bestellen für drei Leute beim Inder. Es ist wirklich lecker, aber danach haben wir einen Stapel Plastik- und Aluverpackungen, als hätten wir drei Wochen vom Lieferservice gelebt. Wird Zeit, dass wir uns dazu was einfallen lassen.

Wo ist das Kommentarfeld?

Habe ich abgeschaltet. Ich habe in zwei Jahren genau acht Kommentare erhalten, scheint also nicht so beliebt zu sein, die Kommentarfunktion. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass aus den Kommentaren direkt auf der Website selten ein Gespräch entsteht, da man nicht mitbekommt, wenn auf den Kommentar geantwortet wurde. Deshalb, wenn Du mir Feedback zu meinen Beiträgen geben willst (worüber ich mich sehr freue), dann schreib mir entweder eine Mail oder teile den Beitrag auf Facebook, Twitter oder sonstwo und markiere mich, damit ich das mitbekomme. Dann können wir uns dort unterhalten, wo sich Leute eben heute unterhalten. Und nicht in meinem verödeten Kommentarbereich. Danke!