1. Dezember 2021

Ich schreibe meine ersten Morgenseiten seit vielen Jahren. Ich kann mich noch erinnern, wie ich in meiner Wohnung in Friedrichshain gelebt habe und morgens in mein Heft geschrieben habe. So lange will ich schon Künstler sein, so lange habe ich es dann doch wieder verschoben. Bis vor einigen Jahren. Ich bin jetzt ein Künstler, ich nenne mich so, ich bin Autor, Schriftsteller, Schreiberling. Das will ich sein.

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2. Dezember 2021

Ich weiß, wer Corona erfunden hat. Nicht Bill Gates, nicht Pfizer, nicht David Hasselhoff. Was war vor Corona praktisch tot und sieht man jetzt überall? Welche Industrie war am Boden und floriert jetzt? Genau: die QR-Code-Industrie. Wenn wir herausfinden, wer mit QR-Codes Geld verdient, wissen wir, wer Corona in die Welt gesetzt hat. „Follow the money“ hat mal wieder funktioniert. Gern geschehen.

3. Dezember 2021

Mein Mini-Smartphone-Ständer hat nur einen Euro gekostet und gefällt mir richtig gut. Es sind so kleine Anschaffungen, die richtig viel bringen und überhaupt nicht teuer sind. Dann macht Einkaufen auch Spaß: Wenn es bewusst geschieht und nicht, um Sinnlöcher im Leben zu stopfen.

4. Dezember 2021

Manche Dinge willst du verstandesmäßig wirklich, wirklich zulassen, aber emotional ist es verdammt schwierig. Muss man wahrscheinlich einfach aushalten, bis das Gefühl es verstanden hat.

5. Dezember 2021

Bei einer Aromaöl-Wellness-Massage. Damit meine Unterhose nicht ölig wird, erhalte ich eine Einweg-Ersatz-Unterhose, die so fadenscheinig ist, dass ich sie eigentlich auch gleich weglassen könnte. Aber das geht natürlich nicht. Also tun die Masseurin und ich beide so, als könnte man durch den Stoff nicht ganz offensichtlich mein Ding sehen.

6. Dezember 2021

Ein Zeichen, dass sich der Tourismus in Chiang Mai erholt: Ich sehe wieder rotgebrannte Typen ohne Shirt durch die Altstadt laufen.

7. Dezember 2021

Sich abends müde ins gemütliche Bett zu legen, ist auch einfach eine fantastische Sache. Manchmal ist es so einfach.

8. Dezember 2021

In Chiang Mai gibt es überall an der Straße Maschinen, an denen man Trinkwasser für ein paar lumpige Bath zapfen kann. Statt also im 7 Eleven haufenweise Plastik einzukaufen, fahre ich alle paar Tage um die Ecke zur Reverse-Osmosis-Wassermaschine und mache mir den Kanister voll. Da fühle ich mich dann immer wie ’ne große Greta mit Bart.

9. Dezember 2021

Es gibt ja immer wieder Berechnungen, wie viel Lebenszeit man verschläft, arbeitet etc. Viel interessanter fände ich, wie viel Lebenszeit ich schon an roten Ampeln in Chiang Mai verbracht habe.

10. Dezember 2021

Seit rund einer Woche schreibe ich wieder Morgenseiten. Überhaupt Gedanken aufzuschreiben, hilft mir enorm, meine Gedanken zu sortieren. Ich verstehe dann mein eigenes Denken besser, sehe Verbindungen, sehe klarer.

11. Dezember 2021

Wir schauen „Love on the spectrum“, eine Netflix-Doku über die Dating-Bemühungen von Menschen auf dem Autismus-Spektrum. Die Menschen, die dort gezeigt werden, sind so einzigartig und rührend in ihrer Besonderheit, ich möchte sie alle ständig in den Arm nehmen. Obwohl sie das vielleicht ziemlich unangenehm fänden.

12. Dezember 2021

Beim Frühstück sitzt ein alter, westlicher Mann allein am Tisch, scrollt am Tablet durch YouTube. Er sieht einsam aus. Ich frage mich, wo seine Familie ist, was ihn hierher bringt, wie es ihm geht. Vielleicht ist er aber auch sehr zufrieden, und traurig ist er nur in meiner Vorstellung.

13. Dezember 2021

Ich habe mir eine Formel überlegt, wie ich mit Gefühlen umgehen will und vor allem, nach welchen Gefühlen ich handeln will. Bei negativen Gefühlen, Ängsten, Mangelgedanken, Neid etc. will ich sie einfach nur betrachten, aber nicht zur Grundlage von Handlungen machen. Lieber erst mal gar nicht handeln und die Gefühle einfach nur angucken. Bei positiven Gefühlen, Begeisterung, Mut, Liebe etc. will ich hingegen sofort reagieren und die Gefühle direkt in Handeln übersetzen.

14. Dezember 2021

Physiotherapie-Termin bei Maurice in Chiang Mai. Er begrüßt mich, wir sprechen Englisch. Ich erzähle von meiner Vorgeschichte und der Osteopathie-Behandlung „back in Germany“. „Krass“, sagt er auf Deutsch, „Du bist aus Deutschland?“ Wir lachen uns kaputt vor Überraschung. Stellt sich heraus, er ist Deutscher und Thai und hat vor ein paar Monaten hier in Chiang Mai seine Praxis eröffnet, nach 13 Jahren in Deutschland.

15. Dezember 2021

Das Thema Erwartungen fasziniert mich. Ich bin überzeugt, dass Erwartungen der Schlüssel zum Unglück sind, wie ich hier schon früher geschrieben habe. In letzter Konsequenz bedeutet das aber auch, keine Erwartungen zu haben, dass getroffene Vereinbarungen und Verabredungen eingehalten werden. Es fällt mir schwer, auch diese Erwartungen abzulegen, und es ist sicher nicht ohne Konsequenz, wenn mir das gelingt. Vielleicht führt es zu ultimativer Freiheit. Ich werde das weiter beobachten.