16. Januar 2022

Die Thai-Masseurinnen sind immer ganz entgeistert, wenn ich bei ihnen bin, weil bei mir alle Muskeln so verhärtet sind. Uiuiuu und ohh und auhhhh rufen sie dann immer. Ich frage mich, woran das liegt. Ich bewege mich doch recht viel, mache Sport. Trotzdem bin ich immer noch ein steifer Knochen.

Die Momentaufnahmen als Podcast hören

17. Januar 2022

Kaum zu glauben, aber: Ich habe gerade knapp drei Stunden im Foyer meines Condos gesessen und auf einen Paketboten gewartet. Kam nicht. Wenigstens konnte ich derweil 1000 Leuten auf Twitter entfolgen. Von wegen Zeit vergeudet.

18. Januar 2022

Ich sitze ein paar Stunden an meinem neuen Smartphone, um alles einzurichten. Das ist heute nicht mehr trivial, wenn man alle Nachrichten behalten will und auch seine Banking-Apps weiter benutzen möchte. Vielleicht wird das ja irgendwann mal Ausbildungsberuf.

19. Januar 2022

Ich glaube ja auch, dass viele, die auf der Straße oder in den sozialen Medien derzeit einen auf großen Widerständler machen, einfach gelangweilt sind, ein bisschen Aufregung wollen, sich mal wieder so richtig als Revoluzzer fühlen wollen in ihrer langweiligen Existenz. Und einfach auch ein bisschen zu viel Filme geguckt haben.

20. Januar 2022

Ich prahle ja immer damit, wie günstig das Leben in Chiang Mai ist. Nun ja, heute mal auf Verdacht mit einer Freundin essen gewesen, ohne zu recherchieren, wo genau wir hingehen. Der Michelin-Stern am Eingang und die fehlenden Preise im Menü hätten mich stutzig machen können. Da bin ich mit 75 Euro pro Person am Ende noch gut weggekommen. Und geschmeckt hat es auch.

21. Januar 2022

Gewohnheiten sind der Schlüssel zur Veränderung. Mir ist heute (mal wieder) deutlich klargeworden, dass ich vormals mühsame Dinge zu einer leichten Sache machen kann, indem ich eine Gewohnheit etabliere. Es ist dann eine richtige Kraft, die mich dahin zieht, ein starkes Wollen. Bei lustvollen Dingen wie essen, saufen, am Handy spielen ist das keine große Überraschung. Aber dass ich es auch bei etwas empfinden kann, was ich als schwer, als Arbeit empfinde, das ist doch überraschend. Und ermutigend, denn es bedeutet, dass ich alles in mein Leben bringen kann, was ich möchte, wenn ich es nur eine Zeit lang mache, ohne mich zu fragen, ob ich in diesem Moment Lust darauf habe (vorausgesetzt natürlich, ich habe mich vorher entschieden, dass ich generell Lust darauf habe).

22. Januar 2022

Ich mache eine Liste mit Autoren, die ich gut finde. Also, nicht nur gut finde, sondern an denen ich mich orientieren will. Hier der aktuelle Stand: William Boyd, Adrian McKinty, Dennis Lehane, Don Winslow, Paul Auster, T. C. Boyle, Stephen King, Sebastian Kehlmann, John Irving.

23. Januar 2022

Der Smoothie, den wir an der Straße bestellen, besteht nur aus Frucht und ein bisschen Eis. Kein Zucker, kein Wasser, nur Mango und Maracuja. Er ist cremig, kühl, süß und sauer. Der Smoothiemann lässt mich sogar vorher kosten, ob das Getränk für mich so genehm wäre. Ich glaube, ich will nie wieder woanders Smoothies haben.

24. Januar 2022

Es ist immer wieder verblüffend, wie schnell ich einen Komfortgewinn als neue Normalität sehe und mich dann wieder ärgere, dass es nicht noch komfortabler ist. Genau so gewöhne ich mich aber auch schnell an unkomfortable Dinge. Vielleicht ist unser Gehirn so gebaut, dass wir uns immer bei einer mittleren Zufriedenheit einpendeln, egal, wie die äußeren Umstände sind.

25. Januar 2022

Heute werfe ich alles, was ich habe, auf einen Haufen und sortiere. Alle Klamotten und der Technikkram fliegen aufs Bett, die ganzen Beutel und Taschen leere ich, schmeiße alles durcheinander und sortiere dann aus und den Rest neu. Innerhalb von einer halben Stunde bin ich ein paar Sachen los und habe wieder Ordnung. Leichter kann man sich nicht das Gefühl verschaffen, die Dinge im Griff zu haben.

26. Januar 2022

In Thailand stehen am Eingang von jedem Restaurant und Geschäft Fieberthermometer, an denen man per Handauflegen seine Temperatur messen muss. Die Geräte zeigen immer viel zu niedrige Temperaturen an, höchstens 36 Grad. Mit Fieber würde hier Normaltemperatur angezeigt. Das erinnert mich an die Sicherheitsschleusen in der Bangkoker Metro, die bei jedem Fahrgast piepen, man aber einfach weitergeht. Die Fieberthermometer piepen übrigens auch. Alle fühlen sich sehr sicher, weil eine Maschine piept.

27. Januar 2022

Ich stoße immer wieder auf die Aussage, dass ein Projekt genau so lange dauert, wie Zeit dafür eingeplant ist. Vorgestern habe ich mir das zunutze gemacht und mir nur bis zum Ende des Tages für eine Aufgabe Zeit gegeben, für die ich sonst eine Woche gebraucht hätte. Könnte mein neuer Lifehack sein.

28. Januar 2022

Im Frühstückscafé glotzen auf einmal alle in den Farn, der auf der Terrasse hängt. Ist der so schön? Nein, im Farn hängt eine grüne Schlange. Faszinierend. Noch faszinierender: Sie hat einen Frosch im Maul und versucht ihn sich einzuverleiben, während der sich verzweifelt mit seinen Hinterbeinen am Farn festklammert. Das klingt jetzt recht grausam, war es auch, aber in seiner Natürlichkeit und Unabwendbarkeit auch irgendwie schön.

29. Januar 2022

Ich bin immer wieder überrascht, wie gut ich mittlerweile mit dem Zehnfingersystem schreibe, was ich mir erst vor zwei, drei Jahren mit der App TIPP10 beigebracht habe. Da ich täglich schreibe, habe ich einfach sehr viel geübt und bin jetzt auf einem total ausreichenden Level. Wenn ich das gleiche jetzt mit einer Gitarre machen würde…

30. Januar 2022

Es gibt auf Social Media, nehmen wir mal Instagram, zwei Güter: Inhalte und Aufmerksamkeit. Der Anreiz, Inhalte der Plattform kostenlos zur Verfügung zu stellen, besteht darin, Aufmerksamkeit zu bekommen, und zwar in Form von Likes und Kommentaren. Und damit man mehr Aufmerksamkeit für seine Inhalte bekommt, also mehr Follower und mehr Interaktion mit den eigenen Inhalten, muss man was tun? Selbst liken und kommentieren wie ein Bekloppter. Macht man das, bekommt man Aufmerksamkeit, macht man es nicht, bekommt man keine. Die Plattformen schaffen es also, beide Güter, die von den Nutzern getauscht werden, Inhalte und Aufmerksamkeit, kostenlos zu bekommen. Und da sie (die Plattformen) einen winzigen Teil davon verkaufen (die Aufmerksamkeit für bezahlt prominent ausgespielte Inhalte aka Ads), verdienen sie sich dumm und dämlich. Ich glaube, es ist schließlich doch jemandem gelungen, das Perpetuum Mobile zu erfinden.

31. Januar 2022

Das erste Mal seit Monaten faste ich wieder einen Tag. Es ist erstaunlich einfach, ich habe überhaupt keinen Hunger.